Sigi Heinrich-Blog: Vollwertiger Ersatz

Normalerweise muss sich Mark Kirchner über die Besetzung seiner Staffel keine grossen Gedanken machen. Die Namen standen fest zuletzt. Simon Schempp, Erik Lesser, Arnd Peiffer, Benedikt Doll. Nur die Reihenfolge veränderte er ab zu zu, damit ja keine Langeweile aufkommt. In Ruhpolding freilich war alles anderes. Zwei der vier Musketiere, die Bronze gewannen bei den Olympischen Spielen in PyeongChang und seit Jahren gemeinsam die Staffelrennen bestritten, fehlten plötzlich. Simon Schempp ist im Formtief und Erik Lesser kümmrt sich um sein  kleine Tochter, die letzten Woche das Licht der Welt erblickte. Zudem brach seine vier Musketiere in Oberhof mit einem achten Platz fürchterlich ein. Kirchner war plötzlich geforderrt und musste trotzdem nicht gross nachdenken, denn die beiden Ersatzleute frängten sich förmlich auf und  füllten die vermeintlichen Lücken perfekt aus. Roman Rees und Johannes Kühn spielten ihre Rolle, als wären sie schon immer im deutschen Team. Gemeinsam mit Peiffer und Doll wurden sie Zweite hinter den überragenden Norwegern.

Es war mal wieder beste Wergung für Biathlon. Vor allem die Schlussphase fesselte die Fans in der Chiemgau-Arena, weil Benedikt Doll beim letzten Schiessen die DSV-Mannschaft sogar an Norwegen vorbei auf den ersten Platz brachte. Johannes Thingnes Boe musste zwei Patronen nachladen nach zwei Fehlschüssen. Der Norweger spielte sich dann mit Doll. Er trieb ihn erst vor sich her und flog dann am ersten Anstieg mit unglaublicher Leichtigkeit an Doll vorbei. Es war eine Demonstration, wie man sie selten sieht. Der junge Boe ist derzeit wirklich der beste Biathlet der Welt. Selbst KInetixx-Vorzeigeathlet Martin  Fourcade kommt momentan gegen ihn nicht an, wobei Fourcade diesmal für die Drittplatzierten Franzosen auf der zweiten, für ihn ungewohnten Position lief.

„Wir wollten taktisch mal was ausprobieren“,

meinte Fourcade, der normalerweise als Schlussläufer eingesetzt wird. Für Benedikt Doll war der junge Boe im direkten Vergleich eine kleine Nummer zu gross. Gegen ihn auf der Schlussrunde zu verlieren, ist indes keine Schande. Das war Doll bewusst, weshalb der Schwarzwälder auch fröhlich ins Publikum winken konnte auf den letzten Metern, begeistert angefeuert von fast 17.000 Fans.

Das deutsche Team hat überzeugt und ist zudem einen grossen Schritt weitergekommen, was die mannschaftliche Stärke betrifft, denn plötzlich ist  es nicht mehr  so dramatisch wie oft gedacht, wenn zwei Stammkräfte ausfallen. Mark Kirchner hat Roman Rees und Johannes Kühn immer wieder Chancen gegeben, Weltcupluft zu schnuppern. Beide haben ihre Chancen genutzt. Das war wichtig für alle, denn Kirchner muss sich ja nicht nur mit der Gegenwart beschäftigen sondern als Bundestrainer auch die Zukunft ins Auge fassen. Die frischen Kräfte sind deshalb nicht nur wünschenswert sonder auch notwendig. Mit Philipp Nawrath, Phillip Horn sowie Lucas Fratzscher, der in Oberhof ein Rennen bestreiten durfte, stehen weitere Kandidaten bereit, die von Kirchner aufmerksam beobachtet werden, wenn sie im IBU-Cup, der zweiten LIga hinter dem Weltcup ihre Wettkämpfe bestreiteten, um dann möglicherweise in die erste Liga aufzurücken.

Foto: Eberhard Thonfeld / Camera 4

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