Sigi Heinrich-Blog: Pause für Schempp

Bei den Olympischen Spielen in PyeongChang sorgte Simon Schempp noch für ein Highlight, als er  sich erst im Zielsprint des Massenstarts nur um 14 Zentimeter dem französischen Kinetixx-Vorzeigeathleten Martin Fourcade geschlagen geben musste. Ein Jahr später ist der Olympiazweite  nur noch ein Schatten seiner selbst, weshalb er ausgerechnet bei seinem Heimweltcup in Ruhpolding fehlt. Und auch der folgende Weltcup in Antholz wird vermutlich ohne ihn stattfinden.

„In seiner Verfassung macht es einfach keinen Sinn, weitere Wettkämpfe zu laufen“,

erklärte Bundestrainer Mark Kirchner. Vor allem die  Auftritte in Oberhof öffneten Kirchner die Augen und machten die Formschwäche von Schempp deutlich. Zunächst verfehlte er mit dem 70. Platz im Sprint den Verfolgungswettkampf.  Dass er trotzdem für die Staffel nominiert wurde, begründete  Kirchner mit der stillen Hoffnung, Schempp könne sich im Kreise der Mannschaft selbst aus seinem Tief befreien. Doch daraus wurde nichts. Schempp, der in Topform immer Schlussläufer ist, versagte diesmal auf der Startposition,

„Er hatte auf der letzten Runde nichts mehr zuzusetzen“,

erkannte Kirchner und zog die Reissleine, um einen seiner wichtigsten Athleten nicht gänzlich zu verlieren.

Abzusehen war ein derartiger Einbruch zunächst nicht, denn Schempp begann die Saison mit einem fünften Platz beim schwierigen Einzelwettkampf in Slowenien. Und er hinterliess auch im Sommer einen guten Eindruck, was zunächst überraschte, denn Ende Mai musst er sich einer Schulteroperation nach einem Sturz mit dem Rennrad unterziehen.

„Vielleicht hat er danach etwas zu hart trainiert“,

,meinte Kirchner. Auch er sucht nach Erklärungen für den Einbruch seines Schützlings, der in Ruhplding meist unter seinem ehemaligen Kollegen Andi Birnbacher trainiert. Vermutlich wollte sich Schempp nichts nachsagen lassen und er wollte sich garantiert auch keine Blösse geben, zumal er in der Vergangenheit immer wieder gesundheitliche Rückschläge in Kauf nehmen musste. Vor drei Jahren rebellierte der Körper gegen das harte Training. Er war eineinhalb Jahre nicht im Weltcup dabei. Und vor den Olympischen Spielen im vergangenen Jahr plagten ihn muskuläre Probleme.Es drohte sogar ein Verzicht auf dei Wettkämpfe in Südkorea, Schempp musste immer wieder lernen  in sich hinein zu hören, auf kleinste Signale zu reagieren. Das hat diesmal nicht funktioniert.

In den nächsten Wochen  soll Schempp Körper und Geist wieder auf Vordermann bringen. Mark Kirchner wird den Prozess in Absprache mit Schempps persönlichem Trainer Andi Birnbacher und seinem Co-Trainer Isidor Scheurl, der am Stützpunkt in Ruhpolding arbeitet, genau beobachten.

„Ich hoffe, wir bekommen ihn wieder hin bis zu den Rennen in Canada und den USA“,

meinte Kirchner, den der Ausfall von Schempp nicht beuhruhigt. Das könne, sagt Kirchner, einfach mal passieren.Der Zeitpunkt freilich ist gänzlich ungünstig,  denn im Chiemgau fehlt auch noch  Erik Lesser. Doch der erfolgreichste deutsche Biathlet der Olympischen Spiele von Sotschi hat einen guten, wenn nicht den besten Grund, auf einen sportlichen Auftrit zu verzichten. Lesser übt sich im Windeln wechseln. Er ist vor ein paar Tagen Vater einer Tochter (Anouk) geworden und hat sich eine kurze Elternzeit erbeten, die wir ihm natürlich von Herzen gönnen.

Foto: Eberhard Thonfeld / Camera 4

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