Sigi Heinrich-Blog: Meisterlicher Fourcade

Die Geste nach dem zehnten Schuss mag wegweisend gewesen sein. Martin Fourcade streckte seinen Zeigefinger in die Richtung, aus der später die Konkurrenz aus dem Tunnel  kommen würde, um nach ihm den Stehendanschlag einzunehmen. Da würde er nämlich bereits wieder auf der Strecke sein, auf einer Ehrenrunde gewissermassen. Sie würden ihn also nicht sehen, nur noch seine Aura spüren vielleicht. Es war der Fingerzeig einer klaren Botschaft, die da lautet: So schnell werdet ihr mich nicht vom Thron stossen. Manchmal werden dem Kinetixx-Aushängeschild solche Gesten als arrogant und unkollegial ausgelegt. Dabei ist es in seinem Fall doch nur Ausdruck grosser Zufriedenheit. Emotion pur. Er kann ja schliesslich nicht dem nächsten Sericemann während des Rennens um den Hals fallen, das würde dann doch zu viel Zeit kosten. Und er hatte zudem noch einen Auftrag.Seine Tochter hatte ihn beim Telephonat am Abend nach dem zweiten Platz im Sprint gefragt, warum er denn keine Goldmedaille gewonnen habe. Das habe ihn, so meinte er nach dem 76. Weltcupsieg, zusätzlich motiviert. Jetzt ist Fourcade wieder auf dem eingeschlagenen Weg, der ihn ja irgendwann zu Kinetixx-Botschafter  Ole-Einar Björndalen führen soll, der es im Lauf seiner Karriere auf 95 Weltcupsiege brachte. Martin Fourcade zeigte im Verfolger von Hochfilzen vor allem im direkten Vergleich seinem Herausforderer Johannes Thingnes Boe aus Norwegen dessen Grenzen auf. Fourcade ist nach wie vor nervenstärker und besitzt vor allem die herausragende Gabe, einmal in Führung liegend, nicht nervös zu werden, ruhig und sicher weiter zu schiessen. Am Ende stand die Null, mal wieder. Hochfilzen war deshalb richtungsweisend für den Weltcupgesamtsieger der vergangenen sieben Jahre. Er hat jetzt die Gewissheit, dass ihn auch kleine Betriebsunfälle nicht aus den Schuhen kippen und die Konkurrenz vor allem hat gesehen, dass der Meister dann doch immer wieder eine Antwort parat hat. Den Zweitplatzierten Arnd Peiffer hat das soweiso nicht überrascht:

„Wenn man siebenmal in Folge den Gesamweltcup gewinnen kann, dann ist man eben in der Lage, einem schlechten Rennen auch wieder ein paar gute folgen zu lassen.“

Er selbst war zufrieden mit sich und freute sich auch über das gute Gesamtbild der deutschen Mannschaft mit bislang drei Podestplätzen. Genau so viele übrigens, wie Kinetixx-Athlet Martin Fourcade auch schon wieder aufweisen kann.

Foto: Eberhard Thonfeld Camera 4

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