Sigi Heinrich-Blog: Kein Start für Schempp bei den Europameisterschaften

Natürlich drückt Seefeld in die Zeitungsspalten und Nachrichtenredaktionen. Die nordische Ski-Weltmeisterschaft gibt den Ton an und doch: Auch ausserhalb der Schanzen und Loipen existiert noch wintersportliches Leben. Sogar die Biathleten machen scheinbar unbeirrt weiter. Mit einer Europameisterschaft. Diese gibt es wirklich schon seit Jahren und es ist auch noch eine sogenannte „Offene Europameisterschaft“. Das heisst, dass  Nationen aussserhalb Europas wie USA, Canada oder Ausstralien Athleten melden dürfen. Treffpunkt ist diesmal Minsk in Weissrussland, wo 1990 bereits einmal ein Weltcup ausgetragen wurde und in der Folgezeit auch zweimal schon Europameisterschaften stattfanden. Und unmittelbar nach den nächsten olympischen Winterspielen in Peking 2022 wird der Weltcup erneut in der Heimtat von Daria Domratscheva Station machen. Die EM ist somit auch ein willkommener Probelauf für die Organisation im Raubichi-Stadion, der wohl modernsten und schönsten Sportanlage in Weissrussland.Der Internationale Biathlon-Verband (IBU) hat bereist die begehrte A-Linzenz ausgegeben..Natürlich fehlen alle Stars, die in der übernächsten Woche in Östersund (Schweden) die Weltmeisterschaft bestreiten. Und  trotzdem werden wir schönen Sport erleben, zumal auch  ein Hauch von Weltcup in das Teilnehmerfeld hinein weht.  Nadine Horchler (Weltcupsieg vor zwei Jahren in Antholz) führt eine deutsche Mannschaft an, die zuletzt mit Hanna Kebinger (SC Partenkirchen) und Juliane Frühwürth (SV Motor Tambach-Dietharz) bei den Jugend-und Juniorenweltmeisterschaften in der Slovakei mehrere Medaillen gewann. Und Anna Weidel (WSV Kiefersfelden) wurde in dieser Saison schon im Weltcup eingesetzt. Und auch bei den Männern ist Weltcuperfahrung vorhanden. Lucas Fratzscher (WSV Oberhof) durfte in Oberhof einen Sprint bestreiten und Philipp Horn (SV Eintracht Frankenhain) war ebenfalls in dieser Saison in der höchsten Liga im Einsatz. Dazu kommt das grosse Talent Danielo Riethmüller (SV Clausthal-Zellerfeld). Auch Riethmüller gewann in Orslbie eine Medaille. Und dann hätte eigentlich noch ein grosser Name in Minsk in der Startliste auftauchen sollen. Simon Schempp sollte ursprünglich nach seinem Trainingsblock in Ruhpolding (er war auf der Nordamerika-Reise nicht dabei und fehlte auch schon beim Weltcup zuvor in Antholz) in Minsk seine Form testen und herausfinden, ob es reicht für die Weltmeisterschaft. Doch Ärzte und Triainer rieten von einem Einsatz in Schweden ab. Über Instagram gab Schempp bekannt, dass er in dieser Saison kein Rennen mehr bestreiten werde.

„Ich fühle mich nach wie vor nicht im vollbesitz meiner Kräfte um Weltcup-oder WM-Rennen laufen zu können.“

Und folgerichtig ist auch das Testrennen in Minsk nicht mehr notwendig für den Silbermedaillengewinner im Massenstart von PyeongChang, der normalerweise auch beständiger Schlussläufer der deutschen Staffel ist. Sein Ausfall zeigt aber auch noch einmal deutlich,  wie schwierig die Gratwanderung ist im Spitzensport und wie anfällig die Gesundheit sein kann, wenn man ein Leben immer am Limit körperlicher Belastung bestreitet.

 

Foto: Eberhard Thonfeld / Camera 4

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