Sigi Heinrich-Blog: Fourcades perfekte Antwort

Es waren schwere Tage zuletzt für das Kinetixx-Aushängeschild Martin Fourcade. Gewohnt zu  siegen, musste der Franzose zum Saisonauftakt in Slowenien im Sprint und im Verfolger zwei schwere Niederlagen einstecken. Und so lag ständig die Frage in der Luft: Wie würde die Reaktion des Seriensiegers aussehen?  Nachfragen bei seinen Trainern vermittelten eher Besorgnis. Niemand in seinem Umfeld strahlte übergrossen Optimismus aus. Und Fourcade, der ja nicht zu jenen gehört, die sich in den Vordergrund schieben, zog sich noch tiefer in sein Schneckenhaus zurück.

„Ich war etwas ratlos und ich wusste nicht, wie schnell ich zu meiner Leistung wieder zurückkehren würde“,

gab er nach seinem famosen zweiten Platz hinter Johannes Thignes Boe (Norwegen) zu. Vermutlich war es eines der wichtigsten Rennen in seiner unnachahmlichen Karriere, eine Weichenstellung für die Zukunft, denn hätte er versagt, wären die Zweifel weiter gewachsen, zumal eine gewisse Unsicherheit nicht zu leugnen war.

„Ich bin noch nicht so weit, wie ich mir das vorstelle“,

sagt er, sichtlich erleichtert freilich kurz nach dem Rennen und gestattete damit auch einen kleinen Einblick in seine Innenleben, dass nach der ersten Weltcupwoche wohl ziemlich durcheinander geraten war. In dieser Situation zeigte sich seine wahre Grösse. Er reagierte genau richtig,  schoss sicher, vermied hohes Risiko, weil er  wusste und wohl auch ahnte, dass er mit nur einer Strafrunde chancenlos gewesen wäre gegen den norwegischen Überflieger. Die Zwischenzeiten, die ihm zugerufen wurden von den Betreuern an der Strecke, machten ihm schnell klar, dass er in der Loipe verlieren würde gegen Boe. Aber er wusste auch, dass er alle anderen Kontrahenten hinter sich lassen konnte. Die Rechnung ging auf. Seine Renneinteilung von Runde zu Runde war perfekt, das zweite Schiessen dann im Stehendanschlag offenbarte Qualitäten, die er nicht immer abrufen muss. Kampfgeist.  Er konzentrierte  sich von Schuss zu Schuss, leicht nach vorne gebeugt, so als wolle er in den Lauf seines Gewehres hineinkriechen. Es war kein Krawallschiessen sondern eines, dass fast schon gespenstische Ruhe ausstrahlte. Er traf erneut fünfmal. Der Rückstand auf Boe freilich war messbar aber es schockte Fourcade nicht mehr. Er wusste zu diesem Zeitpunkt, dass er extrem schnell wieder Fuss gefasst hatte. Schneller als er sich das wohl gedacht hatte.

 

„Das hat mich selbst überrascht“,

 

gab er unumwunden zu.  Der zweite Platz im zweiten Sprint zeigte einen Fourcade, der auch dann, wenn die Last auf den Schultern plötzlich grösser wird, wenn die sonst raumgreifende  Lockerheit  fehlt, noch zu grossen Taten fähig ist. Sein norwegischer Konkurrent ist jedenfalls gewarnt, Das Feuer in Martin Fourcade ist noch lange nicht erschlossen. Ganz im Gegenteil. Es wurde neu entfacht in Hochfilzen.

 

Foto: Eberhard Thonfeld, Camera 4

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