Sigi Heinrich-Blog: Chance für die zweite Reihe

Die Elche, zumindest die schwedischen, habe wieder Ruhe vor uns. Die Weltmeisterschaft ist vorbei und es gilt, noch ein letztes Mal die Kräfte zu mobilisieren. Noch drei Wettkämpfe in vier Tagen beanspruchen am berühmten Holmenkollen in Oslo (siehe Bild) noch einmal Körper und Geist. Für die Männer gibt es dabei nicht mal einen Ruhetag, was nicht allen sonderlich gefällt, zumal der Massenstart am kommenden Sonntag erst um 16.30 Uhr gestartet wird und alle doch noch ein wenig feiern wollen, ehe der wohlverdiente Urlaub beginnt. Für den Kinetixx-Vorzeigeathleten Martin Fourcade gilt das nicht. Der Superstar der vergangenen Jahre, der in Östersund ohne Medaille blieb, hat zwar den Charterflug von Schweden nach Norwegen, den die Internationale Biathlon-Union (IBU) organisiert hat, angetreten, wird aber lediglich private Termine in der norwegischen Metropole wahrnehmen und keine Wettkämpfe bestreiten. Seinem guten und wohlklingenden Ruf weit über die Grenzen Frankreichs hinaus tut dies hingegen keinen Abbruch. Und so ist es kaum verwunderlich, dass er es als Biathlet schaffte, in das neue Wachsfigurenkabinett „Musée Grévin“ in Paris aufgenommen zu werden. Er steht dort neben dem Superkicker Kylian Mbappé von Paris St. Germain und wird seine Figur am kommenden Montag vor großem Publikum und viel Presse offiziell enthüllen. Auch der Wachsfigur wird es übrigens nie kalt werden, denn selbstverständlich trägt auch die ewige Ausgabe von Fourcade Kinetixx-Handschuhe.

Für andere steht hingegen der Sport noch im Vordergrund. Vor allem Sportler aus der zweiten Reihe bekommen eine unerwartete Chance. Die Qualifikationskriterien für das Weltcupfinale in Oslo sehen nämlich ein paar Belohnungen vor. So dürfen die Besten der Juniorenweltmeisterschaften, in Norwegen schon mal die Klingen mit der grossen Elite  kreuzen. Sofern ihr jeweiliger nationaler Verband dafür vor allem finanziell grünes Licht gibt. Martin Bourgois Republique aus Frankreich hatte in diesem Fall Pech. Er war zwar der beste Junior in Orlsbie (Slowakei) darf aber nicht nach OIslo. Ekaterina Bekh aus der Ukraine hingegen kann aufgrund ihrer Resultate der Junioren-WM beim Weltcup-Finale mitmachen. Ihr Verband erteilte ihr die Genehmigung.  Etwas grösser als üblich ist auch das deutsche Team, denn die zweite Reihe hat sich wacker geschlagen im IBU-Cup, der großen Saisonserie unter dem Weltcup. Nadine Horchler (SC-Willingen) wurde in der Gesamtwertung Zweite, Jana Hettich (SC Schönwald) Vierte. Das Reglement ist hier etwas kompliziert. Es sieht vor, dass ein Verband zwei Wildcards erhält beim Weltcup-Finale, wenn sich einige seiner  Athleten unter den besten Zehn im IBU-Cup befinden. Wären es mehr als zwei pro Verband, bleibt es dennoch bei zwei Plätzen. Allerdings sind diese Startplätze keine persönlichen Startplätze. Das heißt schlicht, dass der Deutsche Ski-Verband (DSV) anstelle von Nadine Horchler und Jana Hettich auch andere wie Marie Heinrich oder Luise Kummer nominieren könnte. Doch hier schlägt das Gebot der Fairness durch. Der DSV belohnt die guten Leistungen von Horchler und Hettich ebenso wie jene von Lucas Fratzscher (WSV Oberhof), der Zweiter in der IBU-Gesamtwertung wurde und Philipp Horn (SV Eintracht Frankenhain), der als Zehnter den IBU-Cup beendete, wobei sowohl Fratzscher als auch Horn nicht alle Wettkämpfe dieser Serie bestreiten konnten, das sie zwischendurch auch mal von Cheftrainer Marc Kirchner ins Weltcup-Team berufen wurden. Jetzt kehren sie also über einen durchaus anstrengenden Umweg wieder dorthin zurück. Alle vier Nachrücker haben dabei ein Ziel gemeinsam. Sie wollen sich im Sprint unter die besten 60 platzieren, damit sie auch noch den Verfolger in Oslo absolvieren dürfen. Dafür gibt es allerdings keine Ausnahmeregelungen mehr. In diesem Fall schlägt die ganze Härte des umfangreichen Biathlon-Reglements zu.

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