Siegfried Mazet der Vater des Biathlon-Erfolges

Siegfried Mazet ist eine Koryphäe im Biathlon und hat schon viele Stars am Fernglas hinter dem Schießstand auf ihrem Weg in den Biathlon Olymp begleitet. Nun ist es für den Schießtrainer mit französischen Wurzeln bereits die sechste Saison bei der Herren Nationalmannschaft von Norwegen, für die er verantwortlich ist. Seine Erfolge mit Martin Fourcade und der französischen Mannschaft, sowie die von Johannes Thingnes Boe und den norwegischen Giganten machen Mazets Fähigkeiten zum Maß aller Dinge am Schießstand.

Auch wenn er seine Pläne und seine Arbeitsweise in diesem Sommer anpassen musste, es hat sich nicht viel geändert. Das Ziel für seine Schützlinge sind Spitzenleistungen: Effizienter werden, noch einen Treffer mehr setzen und einen Podestplatz oder Sieg immer vor Augen halten. Nun kam er kurz vor Weihnachten, nach vier Jahren Abstinenz, wieder zurück an seine alte Wirkungsstätte zu einem Weltcup nach Frankreich, Annecy -Le Grand Bornand. Aber eben als Trainer der stärksten Konkurrenten der Franzosen, den Norwegern. „Es ist schon ein komisches Gefühl für mich“ so Siegfried Mazet, der dabei von vielen emotionalen Gefühlen begleitet wird. „Die muss ich aber in den Tagen von Le Grand Bornand total ausschalten und mich nur auf die Arbeit mit meinem Team konzentrieren.“

Wegen des Coronavirus mussten in dieser Saison schon früh Anpassungen gemacht werden. Mazet saß im Frühjahr in Frankreich fest und als die Mannschaft im Mai zum ersten Mal zusammen kam, durfte er nicht nach Norwegen reisen. „Es war frustrierend und schwierig für mich alles per Computer zu koordinieren, planen und zu erledigen. Das Wichtigste war gesund zu bleiben und unsere Familien zu schützen. Das betraf aber nicht nur unsere Mannschaft, sondern jeden. Ich musste alles anders angehen, habe die Jungs gebeten Videos aufzunehmen, damit ich analysieren konnte. Es war sehr spannend, weil ich ein paar Dinge herausgefunden habe, die mir nicht so gut gefallen haben und wir haben versucht diese Zeit zu nutzen, um diese Dinge zu ändern und besser zu machen.

Sobald er wieder nach Norwegen reisen durfte, war es für ihn eine Art Wiedereinstieg und eine große Herausforderung. Frankreich war zu diesem Zeitpunkt ein „rotes Land“ und er musste in Quarantäne bevor er wieder arbeiten durfte. Dann hatte der Teamarzt ihm erklärt, dass er nach ein paar Tagen zwar noch 3-5 Meter Abstand halten musste, er jedoch wieder arbeiten könne. Das Trainingslager war in diesem Monat ziemlich normal, abgesehen von den Abstandsregeln und dass er an einem getrennten Tisch essen musste. Die Arbeit mit der Mannschaft war eine ziemliche Herausforderung, denn manchmal muss man dicht dran sein, um zu sehen was passiert, vor allem beim Schießen, um das Anvisieren und Abdrücken beobachten zu können. Es war schwierig sich umzugewöhnen, aber sobald die neue Routine sich bestätigte, lief das Training nach Plan.

In einer Mannschaft zu der Johannes Thingnes Boe als Gesamtweltcup-Sieger und drei weitere TOP 10 Athleten gehören, die zusammen die Nationenwertung als auch die Staffel-Wertung gewonnen haben, gibt es keine Zeit sich auszuruhen, denn wenn man oben angekommen ist, geht es viel schneller wieder abwärts. Für den Schießtrainer ist daher die Innovation die Mutter der Erfindung. Mazet tüftelt immer an Kleinigkeiten, mit denen er noch ein Quäntchen mehr rausholen kann. Manchmal läuft das aber nicht so glatt, wie zu Beginn der Weltcup Woche von Hochfilzen, doch dann wird versucht wieder etwas an der Strategie zu ändern und somit effizienter und besser zu werden.

Es gibt keine Musterlösung am Schießstand, aber der 44-jährige hat eine erfolgreiche Philosophie: „Ich will, dass sie unterschiedliche Ansätze beim Schießen beherrschen, dass sie es mal schnell und mal langsam angehen können.“ Wie zum Beispiel beim Massenstart, da geht nur um Strategie. Im Liegen gewinnt man kein Rennen, aber man kann es verlieren. „Da gilt es wie ich immer sage, das Viertelfinale zu erreichen, dann das Halbfinale und das letzte Schießen ist dann das Finale. Im Finale muss man schnell schießen können und unbeirrbar sein, wenn man zur Spitze aufschließen will oder es ruhig angehen wenn man bereits vorne liegt. Ich will, dass sie die Entscheidung treffen wie beim Poker. Da muss man in der letzten Runde auch eine Entscheidung treffen, so ist das.“

Nun hat die neue Saison begonnen und es gibt neue Ziele und Möglichkeiten wie sich seine Athleten verbessern können. Daran wurde speziell beim Liegendschießen hart gearbeitet. Siegfried Mazets Wissen und Fähigkeiten sind keinesfalls zu unterschätzen. Er ist in jedem Abschnitt seiner Karriere erfolgreich gewesen, weil er sich nie auf seinen Lorbeeren ausgeruht hat, sondern immer weiter dazugelernt, sich angepasst und sich verbessert hat. „Ich habe im Laufe der Jahre sehr viel dazugelernt, denn ohne alle diese Athleten, mit denen ich viele Jahre zusammengearbeitet habe, wäre ich nicht der Trainer, der ich heute bin. Es sind Beziehungen von denen alle profitieren. Es ist ein gemeinsamer Weg. Ich bin nicht mehr der Trainer, der ich in Frankreich war, weil die Kultur in Norwegen eine andere ist. Das macht meine Erfahrungen aus Frankreich umso wertvoller. Wenn man Erfahrungen teilt, kann man später davon zehren. Das ist wie ein Studium, das nie abgeschlossen ist. Man ist nie fertig. Was für mich am Wichtigsten ist, ist diese Beziehung zwischen Trainer und Athleten.“

Siegfried Mazets Vertrag in Norwegen läuft noch bis Olympia 2022. Bis jetzt ist noch nichts verlängert und unterschrieben, aber es sieht ganz danach auch, dass der Franzose auch weiterhin ein Norweger bleibt.

Foto: K.Voigt Fotografie

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