Norwegen wird Favoritenrolle gerecht

Zieht man ein erstes generelles Fazit dieser Biathlon-Welttitelkämpfe, könnte dieses lauten: Norwegen wurde seiner Favoritenrolle gerecht. Sieben der 12 Titel gingen an die Skandinavier, mit Tiril Eckhoff und Sturla Holm Lagreid stellen die Norweger sowohl die erfolgreichsten Athletin als auch den besten Athleten. Und spätestens hier lohnt es sich, doch ein wenig genauer hinzuschauen. Denn natürlich kann man die beiden Namen nennen, wenn man auf die Favoriten VOR den Titelkämpfen schaut. Aber eigentlich hatte man Marte Olsbu Roiseland und vor allem Johannes Tignes Boe noch ein wenig mehr zugetraut. Die aber konnten kein Einzelgold erringen und zählen dennoch zu den erfolgreichsten Skijägern der Tage von Pokljuka.

Was bleibt noch von der WM auf der slowenischen Hochebene? Ein offensichtlich funktionierendes Hygiene-Konzept von Gastgebern und IBU. Die Tatsache, dass immer mehr Nationen Medaillen gewinnen können oder zumindest in Medaillennähe auftauchen. Der Fakt, dass einst führende Nationen wie Russland oder Deutschland im Moment den Kontakt zur absoluten Weltspitze ein wenig verloren haben, mit einer (Russland) bzw. zwei Medaillen den eigenen Ansprüchen weit hinterherliefen und schossen. Es gab Überraschungssiege durch Frankreichs Mixed-Duo, die Tschechin Marketa Davidova oder Schwedens Jungspund Martin Ponsiluoma.  Es gab Dramen, wie den Einbruch von Erik Lesser im Staffelrennen und Premieren, wie den Sieg von Lisa Hauser, die als erste Österreicherin aufs oberste Treppchen sprang. Es gab – alles in allem – eine WM, die trotz der widrigen äußeren Umstände wieder einmal alles bot, was Biathlon so interessant und spannend macht. Und es gab eine Menge Hinweise auf die kommende Saison, die eine noch wichtigere wird, denn die Olympischen Spiele stehen an. Und alle Nationen werden ihre Schlüsse aus den Rennen auf der Pokljuka ziehen. Das beginnt beim Material, beim Formaufbau auf dem Weg zu den Spielen, das setzt sich fort in der Kaderplanung und endet noch längst nicht bei der Analyse der Entwicklungen am Schießstand – Stichwort Trefferquote, aber auch Handlungsschnelligkeit. Die große Unbekannte bleibt die Strecke in China, denn die kennen außer den Gastgebern bisher alle Beteiligten nur vom Hörensagen. Und damit sind wir auch schon wieder in der Gegenwart. Das letzte Weltcup-Trimester steht an, mit Wettkämpfen in Nove Mesto und Östersund. Eigentlich hätte man nach China reisen sollen, um die Olympiastrecken zu testen. Das aber passte nicht in den Wettkampfkalender, die Pandemie tat ihr Übriges, um die Reise nach Fernost zu verhindern. Die Olympischen Spiele werden den Biathlon-Sport also vor neue, große Herausforderungen stellen. Was aber bleibt, ist die Hoffnung, wenigstens die Vorbereitung auf Peking ohne störende Corona-Einflüsse absolvieren zu können. Pokljuka war eine WM unter ganz besonderen Bedingungen. Die meisten Favoriten jedoch haben auch diese besondere Lage beeindruckend gemeistert.

 

Foto:Erfolgreichster Biathlet der WM Sturla Holm Laegreid NOR / K.Voigt Fotografie

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