Elchgeflüster: Sigi`s WM-Tagebuch

Noch gibt es keine köngliche Lounge im Nationalen Biathlon-Stadion von Östersund. Aber vielleicht ändert sich das bald, denn heute wird es schwer adelig werden bei der Biathlon-Weltmeisterschaft. Kronprinzessin Viktoria besucht  mit ihrem Gemahl (so sagt man das glaube ich in diesen Kreisen) Prinz Daniel die heimliche Prinzessin dieser Tage: Hanna Oeberg, die Olympiasiegerin und Weltmeisterin im Einzel. Das scheint sich gewaltig herumgesprochen zu haben in und um Östersund. In den vergangenen Tagen sahen wir bei unserer Anfahrt zu unseren Arbeitsplätzen kaum Fans mii schwedischen Fahnen am Rucksack. Doch dieses Wochenende explodiert der Zuschauerzuspruch, der bislang eher mau war. Viele Plätze sind leer geblieben, die Verantwortlichen übten sich in Durchhalteparolen

„Für die Verhältnisse hier ist das schon gut und recht viel mehr haben wir ehrlich auch nicht erwartet“,

sagte mir Wolfgang Pichler, der Teamchef und Verantwortliche für das schwedische Biathlon-Wunder der letzten Jahre. Denn es war ja so, dass viele Angst hatten vor dieser Weltmeiserschaft nach den ständigen Rücktritten. Helene Ekholm, Björn Ferry und Carl-Johann Bergmann hinterliessen eine derart gewaltige Lücke, dass viele dachten, die WM 2019 kommt zu früh. Pichler wurde mit dem Aufbau einer neuen Mannschaft beauftragt. Er wilderte bei den Langläuferin, suchte junge Athletinnen, prüfte ihr mögliches Schiesstalent und versuchte herauszufinden, wie es um die Motivation steht. Er setzte extrem konsequent auf die Jugend

. „Wenn ich zwei Athletinnen habe, die gleich gut sind, nehme ich die jüngere“,

lautete sein Credo. Dazu passt, dass die erst 33jährige Sofia Domeij, die noch vor ein paar Jahren selbst aktiv war, jetzt Präsidentin des schweidischen Biathlon-Verbandes ist. Der Plan ging auf. Bei den Olympischen Spielen vor einem Jahr in Südkorea gewann Schweden zweimal und Gold und zweimal Silber. Nie, wirklich nie hatte auch Pichler, der knorrige Ruhpoldinger mit dem weichen Herzen und der harten Hand, damit gerechnet. Mit König Carl-Gustav strahlte er in Asien um die Wette. Aber noch immer stand ja die Weltmeisterschaft in Schweden vor der Türe. Würde man an die Erfolge von PyeonChang anschliessen können? Diese bange Frage löste sich erst einigermassen in Wohlgefallen auf, als Hanna Oeberg  in Östersund die Goldmedaille gewann. Es folgen ein paar gute Platzierungen, die Sicherheit gaben.

„Ich glaube, wir haben uns punktgenau vorbereitet“

, meinte Wolfgang Pichler. Dann kam die Bronzemedaille in der Mixedstaffel mit  Oeberg und  Publikumsliebling Sebastian Samuelson. Der Bann war gebrochen. Jetzt sind die Fans in Östersund endlich aufgewacht uind machen sich so zahlreich auf den Weg, wie wir das eigentlich an jedem Wettkampftag erhofft hatten. Aber wenn nicht jetzt, wann dann: Schliesslich bekommt man nicht jeden Tag zwei Prinzessinen zu sehen.

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