Elchgeflüster: Sigi`s WM-Tagebuch

Jetzt ist sie also doch gerissen, die schier unheimliche Serie der Laura Dahlmeier. Seit den Weltmeisterschaften in Oslo vor drei Jahren hat sie bei allen Einsätzen eine Medaille gewonnen. Ununterbrochen. 13. Fünf in Norwegen, sechs in Hochfilzen, zwei in Östersund. Ein Drama? Nein.

Ich bin nicht hier, um eine Serie zu halten“;

sagt sie und nimmt das Ende auf die leichte Schulter. Irgendwann, das ahnte sie wohl, würde es mal nicht reichen, um auf dem Podium stehen zu dürfen. Sieben läppische Sekunden fehlten beim schwierigen Einzel.

Es war ein gutes aber kein sehr gutes Rennen“,

meinte Laura Dahlmeier lapidar. Während ich das so schreibe, schaue ich auf das Datum. Es ist der 13. März. Die Zahl 13. Ein Mythos. Im Mittelalter benötigte man 12 Mönche und einen Abt, macht komplett 13, um ein Kloster zu gründen. Beim letzten Abendmahl, so heißt es, saßen 13 Jünger am Tisch. Der 13. war Judas, der Verräter, obwohl es auch da ganz unterschiedliche Meinungen gibt. Wie immer, wenn man um diese Zahl diskutiert. Es gibt mathematische Erklärungen, chemische Zusammenhänge, religiöse Ansätze oder kulturelle Verknüpfungen. Manche haben den Mut, sie gar als Glückszahl zu bezeichnen. Aber in erster Linie und auch in meinem Verständnis ist sie eher eine Unglückszahl. Manche Fluglinien haben keine Sitzplatzreihe mit der Nummer 13. In Aufzügen gibt es kein Stockwerk mit der Nummer 13. Auch in manchen Krankenhäusern oder Hotels wird auf ein Zimmer mit der Nummer 13 verzichtet. Das ist dann die 12A. Die irrationale Furcht vor der 13 wird Triskaidekaphobie genannt. Ich würde mich zum Beispiel weigern, als Sportler die Nummer 13 tragen zu müssen. Das kann nie gut gehen, schließlich ist „Der Dreizehnte“, das Synonym für den Teufel. Des Teufels Dutzend. Im Tarot ist die 13 dem Tod zugeordnet. Und im Märchen Dornröschen spricht die 13. weise Frau des Landes, die nicht zur Geburtsfeier eingeladen worden war, einen Fluch auf die junge Prinzessin aus, der glücklicherweise letztlich von einem tatkräftigen jungen Prinzen zerstört wird. Davon gibt es auch immer weniger. Das gibt unsereinem schon zu denken. Und jetzt wird hier in Östersund die Angst vor der Dreizehn auf die Spitze getrieben. Die Serie also von Laura Dahlmeier, die übrigens aus dem gemeinsamen Haus der deutschen Mannschaft ausziehen musste, weil ihr Husten die anderen Athleten störte (die Wände, so hieß es, seien so dünn und sie solle doch gleich zu den Ärzten in deren Unterkunft übersiedeln), geht nach 13 erfolgreichen WM-Rennen zu Ende und schuld war (Achtung, jetzt kommt ein Gänsehautmoment): Der 13. Schuss beim Einzelwettkampf. Nicht der fünfte, sechste oder 19. Schuss. Nein, Schuss Nummer dreizehn. Hätte die Patrone mit 300km/h pro Sekunde ihr Ziel gefunden, wäre sie Weltmeisterin geworden. Die Medaillen-Serie hätte gehalten, vielleicht bis zum Ende dieser WM, bei der Laura Dahlmeier noch die Staffel und den Massenstart laufen wird (auf den Single-Mixed-Wettkampf wird sich verzichten). Und wenn dereinst oder bald oder irgendwann Laura Dahlmeier von heute auf morgen ihre Laufbahn als Biathletin beenden wird, werden das alle als Überraschung bezeichnen und dann könnte man auch sagen: „jetzt schlägt`s Dreizehn.“ Und es wird ein Donnern und Wehklagen einsetzen. 13 Jahre werden es auf keinen Fall mehr werden bei Laura Dahlmeier, die ihren ersten Weltcupeinsatz 2013 hatte.

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