Elchgeflüster: Sigi`s WM-Tagebuch

Das sind die schlimmsten Tage. Ohne Rennen, Ruhetage. Sie nerven und zehren am Gemüt. Der gesamte Tagesablauf gerät aus den Fugen. Was tun? Gut, wir könnten alle einfach die Wettkampftage simulieren. Raus zum Stadion fahren, wieder mit den Trainern reden während der Übungseinheiten, denn natürlich kann und darf ein Athlet nicht an einem solchen Ruhetag ruhen. Er muss immer und ständig in Bewegung sein. Scherzhaft hatte Laura Dahlmeier nach ihrer ersten Bronzemedaille im Sprint gemeint, dass sie überlege, mal einen Tag im Bett zu bleiben, da sie ja doch ziemlich kaputt sei auch aufgrund der Erkältung, die sie sich eingefangen habe nach der Landung in Schweden. Natürlich hat sie das nicht getan. Ein paar Schritte in der frischen Luft sind allemal besser als Tatenlosigkeit. Wir entscheiden uns auch für Bewegung aber gegen das Stadion. Die Trainer und Betreuer werden uns danken, dass sie mal nicht angesprochen werden, dass sie wirklich in Ruhe ihre Schützlinge beobachten können. Vielleicht ist das auch irgendwie der Sinn eines Ruhetages. Wir könnten natürlich die vielen Wanderwege um Östersund nutzen, um die Lungen mit guter Luft zu fluten. Aber weil ab sofort dann wieder volles Programm angesagt ist, parken wir unseren Mietwagen ziemlich frech an einer Straßenecke und marschieren in die Stadt. Immer mit dem Gesicht zur Sonne und mit den Augen an den Schaufensters. Wir shoppen. Ich weiss gar nicht, ob Männer auch shoppen können. Ich kann es und bin extrem gefährdet, wenn eine Bücherei des Weges kommt. Normalerweise streife ich dann durch die Regale und gehe hundertprozentig mit einem Buch an die Kasse. Entweder ist es ein Krimi oder ein Kochbuch. Doch diesmal hindert mich die Grammatik an einem Kauf. Es gibt nur Bücher in schwedisch, was logisch erscheint, denn Touristen aus Deutschland schlagen selten auf in Jämtland. Dann besser Geschäfte mit schönem Interieur. Tassen, Gläser, es ist alles ein wenig bunter in Schweden und sehr, sehr stylisch. Vor allem die von Hand getöpferten Teller begeistern mich..Ich würde am liebsten…. Sie ahnen schon. Aber ich wehre mich gegen den inneren Antrieb, der da sagt: Kaufen, kaufen. Es ist alles so schön und ich kann mir einen gedeckten Tisch wunderbar mit dem schwedischen Porzellan vorstellen. Aber wie soll ich das nach Hause bringen, da mein Koffer schon bei der Anreise aus allen Nähten geplatzt ist? Eben. So wird mir die Entscheidung abgenommen.  Der Kollege Helmut Hanus, Head of International Wintersportmarketing, sucht verzweifelt Buttermesser und  Honiglöffel aus Holz. Fehlanzeige im ersten Geschäft und auch im zweiten finden wir nichts. Ich dagegen schon. Logisch. Natürlich. Ein paar Küchenwerkzeuge haben mich direkt angesprungen. Unser dritter Mann, Alfred Eder, ist derweil anderweitig beschäftigt. Er hat ja die weißrussischen Damen als Trainer zum Staffelolympiasieg geführt mit Darya Domratscheva und traf die aktuelle Mannschaft im größten Kaufhaus von Östersund. Es war schön zu sehen, mit viel Herzlichkeit sie dem Alfred um den Hals fielen und es ist beruhigend zu erleben, dass nicht nur unsere Männerrunde shoppen geht am Ruhetag, sonder auch viele Athletinnen unterwegs sind. Wir trafen unter anderem auch die US-Girls um Susan Dunklee. Die Welt ist also auch an diesem Tag ohne Wettkampf noch weiterhin so, wie wir sie kennen und lieben.

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