Elchgeflüster: Sigi`s WM-Tagebuch

Nach fast einer Woche in Schweden war die Zeit reif für einen kleinen Tapetenwechsel. Auf nach Bella Italia. Wir brauchen dafür weder ein Reisebüro noch eine Fahrkarte oder ein Flugticket. Auch die auf italienischen Autobahnen übliche Mautgebühr, die normalerweise die Reisekasse arg strapaziert, können wir uns sparen, denn wir gehen bequem zu Fuß. Italien befindet sich nämlich während der Weltmeisterschaft auf dem belebten Hauptplatz von Schwedens drittgrößter Stadt. Antholz, das Südtiroler Biathlon-Mekka, hat in Jämtland eine Dependance aufgeschlagen, um Werbung zu machen für die Titelkämpfe im nächsten Jahr

. Wir hoffen, dass wir dadurch viele Schweden ermuntern können, zu uns zu kommen“,

sagt Erika Pallhuber, die Generalsekretärin des WM-Organisationskomitees in Antholz. Und weil die Liebe auch in diesem Fall durch den Magen geht, trumpft das „Italienhaus“, mit feinen Spezialitäten auf. Zunächst gibt es einen großen Teller mit „Antipasti“. Schüttelbrot, hauchdünn geschnittenen Speck, würzigen Käse von einer Alm. Dazu Oliven und getrocknete Tomaten. Dann folgt „Pasta“. Logisch. Scharf oder eher gemäßigt im Geschmack. Und ein guter Tropfen darf nicht fehlen. Weißwein oder Rotwein. Beides aus Südtirol. Das Eisacktal, die Gegend um Brixen, ist das nördlichste Weinanbaugebiet Italiens, das vor allem deshalb gehaltvolle Weißweine hervorbringt, weil durch den Anbau in Terrassen mit Trockenmauern, aus Steinen die Wärme tagsüber gespeichert werden kann, um sie dann über Nacht an die Reben abzugeben. Der Rote stammt dann von den Weinhängen weiter südlich, aus der Region um Eppan und Kaltern. Natürlich geht nichts ohne „Dolce“. Und klar ist auch, dass die süße Nachspeise ein Tiramisu ist. Der Andrang an der Rezeption macht deutlich, dass sich schnell herumgesprochen hat, wo man sich in herzlicher Atmosphäre mit Freunden und bei Freunden entspannen kann, wobei der Besucherstrom sehr international ist. An einem Tisch spricht man nur slowenisch. Borut Nunar, Slowene und Renndirektor der Internationalen Biathlon-Union (IBU), hat die Mannschaft um sich versammelt, die in zwei Jahren, also 2021, die WM auf der Pokljuka, in der Nähe von Bled ausrichten wird. Das gesamte Personal der ARD lässt es sich gut gehen. Wer nicht rechtzeitig reserviert hat, muss warten, um an den Futtertrog und an die Tränke zu kommen. Schon jetzt, nach ein paar Tagen, kann man sagen, dass sich die Investitionen bezahlt machen werden. Die „Casa-Italia“ ist ein gesellschaftlicher Magnet in Östersund für Touristen, Journalisten und natürlich auch für Sponsoren. Handschuhausrüster KinetiXx zum Beispiel ist nächstes Jahr offizieller Partner der Weltmeisterschaft, weshalb auch schwäbischer Dialekt im schwedischen Italien zu hören ist. Nur eines macht etwas stutzig: Im Werbefilm, der auf den Monitoren in Endlosschleife abgespielt wird, tauchen ständig Radfahrer auf. Es gibt sogar einen Zweikampf zwischen Dorothea Wierer und einem Radler im Zielbereich der Südtirol-Arena, den übrigens Wierer für sich entscheidet. Des Rätsels Lösung wird uns nicht vorenthalten. Am 29. Mai führt die 17. Etappe des Giro d`Italia von Val di Sole im Trentino, über den Mendelpass nach Südtirol. Über Bozen, Brixen, Natz, Terenten und Bruneck wird die Radelite in Antholz landen. Direkt in der Südtirol-Arena. Jetzt weiß ich auch, warum schon zum Biathlon-Weltcup in Antholz in diesem Jahr am Kreisverkehr in Rasen lauter kleine, rosarote Räder standen. Der Giro kommt und es ist nun mal schlichte Wahrheit, dass Radsport in Italien doch noch ein bisschen populärer ist als Biathlon, trotz Dorothea Wierer und Lisa Vitozzi, die derzeit die Weltcupwertung anführen. Doch, wie gesagt, das könnte sich natürlich nach der Weltmeisterschaft nächstes Jahr ändern. Der Zuspruch, den die kleine italienische Insel in Östersund erlebt, ist jedenfalls ein gutes Omen.

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