Das war die nordische Wintersportsaison

Alte Bekannte, einige Neue, ALLES ANDERS

Weltcups und Weltmeisterschaften auf Höchstniveau – Corona läuft und springt mit

Das Ende war ein Spiegelbild der Saison. Tragik und Triumpf gingen Hand in Hand. Der schreckliche Sturz von Norwegens Ex-Weltmeister Daniel Andre Tande überschattete das Skifliegen in Planica, das eigentlich die große finale Flugshow hatte werden sollen. Die wurde es dennoch, wenngleich die Gedanken an den Norweger bei allen Aktiven mitsegelten, was man allein daran erkennen konnte, dass Springer vieler Nationen nach ihren Flügen noch im Auslauf Tandes Handbewegungen simulierten, mit denen der Mann aus Narvik sonst seine Fans grüßte.

Sportlich zeigten die Besten trotz des Schocks noch einmal ihr ganzes Können, Karl Geiger avancierte erneut zum Helden, wie schon ein Vierteljahr zuvor bei der Skiflug-WM. Der Deutsche war einer der großen Gewinner einer unglaublichen Saison, die neue Stars hervorbrachte, wie den Norweger Halvor Egner Granerud, der den Gesamtweltcup der Skispringer zu seinen Gunsten entscheiden konnte. Oder die Österreicherin Sara Marita Kramer, der Experten eine ähnlich glanzvolle Karriere voraussagen, wie ihrem Landsmann Gregor Schlierenzauer. In der Nordischen Kombination überraschte ein Jungspund aus Österreich die Konkurrenz, stahl Überflieger Jarl Magnus Riiber bei der WM in Oberstdorf die Show. Denn Johannes Lamparter reiste als Junioren-Weltmeister ins Allgäu und kehrte mit 2 Gold- und einer Bronzemedaille zurück – das hatte es so auch noch nicht gegeben.

Andere Namen kennt man dagegen entweder schon sehr lange oder zumindest ob ihrer enormen Präsenz in der Vorsaison besonders gut. Im Langlauf geht nach wie vor nur wenig an Therese Johaug vorbei, die sich anschickt, ihre Landsfrau Marit Bjoergen in Sachen Anzahl der WM-Titel zu überflügeln. Bei den Herren könnte man gleich eine ganze Reihe norwegischer Namen nennen, aber Johannes Hoesflot Klaebo ist wohl die markanteste Größte im Wunderteam der Skandinavier, der Russe Alexander Bolschunow derzeit wohl als Einziger in der Lage, Klaebo Paroli zu bieten. Über Kamil Stoch zu sprechen, hieße Eulen nach Athen tragen und auch Namen wie Eric Frenzel, Vinzenz Geiger, Stefan Kraft, Pjotr Zyla, Markus Eisenbichler. Sara Takanashi, Akito Watabe, Jessica Diggins oder Ebba Andersson sind geläufig und es bereitete auch in diesem Winter keine Probleme, sie in der Spitze ihrer Disziplinen zuzuordnen.

Neu dagegen war, dass der Weltcup-Kalender durcheinandergewirbelt wurde. Früher sorgten vereinzelt Witterungsbedingungen für die eine oder andere Absage oder Verschiebung. In diesem Winter besorgte das ein Virus. Dabei hatten – als die Saison 2019/20 vorzeitig abgebrochen werden musste – alle Beteiligten darauf gehofft, der Spuk könne ein reichliches halbes Jahr später vorbei sein. Doch da nahm Covid 19 mit der zweiten Welle gerade richtig Fahrt auf und so musste sich der Weltverband FIS ebenso wie alle Ausrichter auf Bedingungen einstellen, die unter normalen Umständen zwingend zu einer Absage der Veranstaltung geführt hätten. Der Nordische Skisport erlebte eine komplette Saison ohne Publikum an Schanzen und Loipen. Weltmeisterschaften unter Laborbedingungen, die aber sowohl beim Fliegen in Planica, als auch beim großen Showdown in Oberstdorf perfekt organisiert und auf höchsten sportlichen Niveau über die Bühne gingen. Er erlebte Corona-bedingte Ausfälle in Asien, Norwegen, Estland, aber auch Verbände und Organisatoren, die in die Bresche sprangen, Zakopane, Ramsau, Klingenthal seien da besonders erwähnt. Es gab verrückte Situationen – man erinnere sich an den Auftakt der Vierschanzentournee mit der zwischenzeitlichen und schließlich annullierten Quarantäne der polnischen Mannschaft um den späteren Tourneesieger Kamil Stoch oder die positiven Tests bei Geiger und Granerud zur Unzeit. Dass beide Springer dennoch dominierende Figuren ihrer Sportart waren – blickt man auf die Gesamtsaison – spricht für die Klasse der Überflieger.

Trotzdem hoffen alle auf Änderung. Auf einen Winter mit Fans, einen Winter ohne Dauertestungen, ohne das Leben in „Blasen“ – kurz und gut, auf eine Rückkehr zur Normalität. Im Umfeld! Denn eines ist schon jetzt klar – ein „normaler“ Winter wird die Saison 2021/22 ganz sicher nicht. Schließlich gibt es einen Saisonhöhepunkt, der im Zeichen der Olympischen Ringe steht. Und den Olympischen Spielen fiebern schon jetzt alle entgegen. So sehr, dass manch einer es gar nicht erwarten kann. Deutschlands Skisprung-Bundestrainer, Stefan Horngacher, war nach dem letzten Versuch seiner Athleten noch gar nicht richtig vom Trainerturm heruntergestiegen, als er verkündete, sich in einer reichlichen Woche treffen zu wollen, um die Vorbereitungen auf die Olympische Saison einzuläuten.

 

Foto: K.Voigt Fotografie

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