Das Erfolgsrezept im Norwegischen Biathlon

Wie die Alten sungen,…      so siegen auch die Jungen!

Norwegens Asse untermauern auch in diesem Winter ihre Ausnahmestellung im Biathlon

Im Skilanglauf ist es Alltag – vorausgesetzt die Norweger machen im Weltcup ausnahmsweise mal mit. Im Biathlon ist es auch Alltag, weil die Skandinavier gefühlt seit der Umbenennung von Kristiania in Oslo, und das war 1924, einen Ole Einar Björndalen in ihren Reihen hatten. Fakt ist: Das Mutterland des Skisports eilt in der Loipe, egal ob mit oder ohne Schießstand in der Nähe, von Erfolg zu Erfolg. Im Biathlon übrigens nicht nur wegen Björndalen, die Älteren werden mit Namen wie Eirik Kvalfoss, Sigleif Johansen, Anne Elveback, oder Liv Grete Skjelbreid sicher etwas anfangen können.

Marte Olsbu Roiseland ist die erfolgreichste Athletin der Biathlon WM in Antholz

Inzwischen ist bei den Norwegern eine Generation am Start, die in Sachen Siege irgendwie an den großen belgischen Radsportler Eddy Merckx erinnert. Den nannte man – weil er einfach alles gewann, was zu gewinnen war – den Kannibalen. Und ein wenig vergleichbar mit dem vielleicht besten Radprofi, den der Sport bisher gesehen hat, sind die Winterzweikämpfer aus dem Land der Trolle und Fjorde schon. Denn kaum ein Rennen vergeht ohne Podestplatz, meist sind es mehrere, besonders gern genommen von den Norwegern wird das oberste Treppchen, das für die Sieger.

Die neuen Heldinnen und Helden in den roten Laufanzügen heißen Johannes Thingnes und Tarjei Boe, Johannes Dale, Tiril Eckhoff oder Marte Olsbu Roiseland. Letztgenannte lief erst ein wenig im Schatten Eckhoffs, aber bei der WM in Antholz 2020 schlug ihre Stunde, als die damals 29jährige den für unantastbar gehaltenen Medaillenrekord von Laura Dahlmeier einstellte, bei allen Starts aufs Treppchen lief. Johannes Thingnes Boe kämpfte vor einigen Jahren mit dem berühmten Franzosen Martin Fourcade um den Titel des weltbesten Biathleten, inzwischen gilt der Norweger als ungefährdet. Naja, stimmt nicht ganz, denn aus dem eigenen Lager droht ernsthafte Konkurrenz, ein Milchbart mit dem Namen Sturla Holm Laegreid hat sich zum härtesten Konkurrenten des Überfliegers entwickelt. Und das macht es aus, die besten Athleten können sich nie sicher sein, es kommen immer wieder neue junge Athleten nach, die pushen und die Großen fordern.

Johannes Dale und Sturla Holm Laegreid erfolgreich in Oberhof

Sturla, der junge Mann aus Baerum, der erst Ende der letzten Saison seine ersten Chancen im Weltcup-Team der Norweger erhielt (und in Nove Mesto prompt nutzte), läuft – obwohl er im Februar gerade mal seinen 24. Geburtstag feiert – wie der Teufel und schießt sicher und schnell – genau die richtige Kombination um bei den Skijägern ganz nach vorn zu stürmen. Und schon in den Kinderskischuhen starteten Johannes Dale und Sturla Laegreid zusammen in den ersten Biathlon-Rennen. Im aktuellen Weltcup ist Laegreid Zweiter – direkt hinter Johannes Thingnes Boe. Und kann damit als Paradebeispiel für das gelten, was das Biathlon made in Norway so erfolgreich macht: Die Nachwuchsarbeit! Im Land der Skiläufer hat man natürlich jede Menge Talente und offensichtlich auch das Gespür dafür, diese so zu formen, dass sie in der Weltklasse landen können. Natürlich zählt auch das Team – ein ganzes Team an besten Experten, zum Beispiel bei den Trainern. Schießtrainer Siegfried Mazet konnte große Erfolge mit Martin und der französischen Mannschaft feiern und jetzt ist er schon seit nunmehr fünf Jahren im norwegischen Team dabei und feilt an der Schießarbeit der Top-Athleten, mit Erfolg. Bei den Damen wurde der Erfolgstrainer der italienischen Damenmannschaft, Patrick Oberegger aus Südtirol rekrutiert. Mit seiner Hilfe kamen die Norwegerinnen wieder zurück an die Weltspitze. Aber neben all den Spitzenathleten mit Talent und Potential und den Erfolgstrainern zählt nicht nur der Konkurrenzgedanke im Norwegischen Team, sondern auch der Zusammenhalt der Mannschaft. Es wird sich gepusht, zusammen trainiert und die Teams strahlen eine gewisse Lockerheit aus, sie haben Spaß am Biathlon und das macht es so erfolgreich. So darf man davon ausgehen, dass auch in den kommenden Jahren Norwegens Biathlon-Asse immer wieder vorn mitmischen werden und man darf hoffen, dass das anderen Ländern auch gelingen mag, sonst könnten Weltcup- und WM-Wettbewerbe schnell zu Norwegischen Meisterschaften mit internationaler Beteiligung mutieren – und das kann ehrlicherweise auch kein erstrebenswertes Ziel sein.

 

Fotos: K.Voigt Fotografie

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