Alexander der Große

Russlands Langlauf-Wunderkind holt in Oberstdorf seinen ersten WM-Titel

Alexander Bolschunow ist Weltmeister. Auf diese Botschaft hat der 24jährige lange warten müssen. In Seefeld vergeblich, da gewann der Russe vier Mal Silber. Auch zuvor bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang hatte es nicht zum Platz an der Sonne gereicht. Wohl aber zu drei silbernen und einer Bronzemedaille. Damals war der 1.85 m große und 83 kg schwere Modellathlet gerade mal 22 und ein Ausnahmetalent. Denn seitdem er in die Phalanx der Erwachsenen vorgedrungen ist, marschiert er in der Spitze mit. Und sammelt Erfolge. Schon 2x gewann Bolschunow die Tour de Ski, ist bei Weltcups erfolgreich und vielleicht der aktuell schärfste Konkurrent der überlegenen Norweger. Schon als Kind arbeitete der kleine Sascha wie ein Verrückter, denn Sport, das war der Schlüssel zum persönlichen Aufstieg. Geboren wurde er am Silvestertag 1996 in einem kleinen Ort im Oblast Brjansk, eine Region, die von der Katastrophe von Tschernobyl extrem in Mitleidenschaft gezogen worden war und immer noch ist. Und während man anderswo den Skilanglauf vielleicht als Hobby betrachtet, war der Sport für Bolschunow der Weg heraus aus der Provinz, hinein in die Welt.  Inzwischen geht es dem Besten in einem starken russischen Team gut, aber trainieren wie ein Wilder, das ist weiterhin seine Berufung – eine eigens im Garten des Hauses eingerichtete kleine Plastik-Laufstrecke macht Skifahren selbst im Sommer möglich.

Alexander Bolshunow wird Weltmeister in Oberstdorf

Manchmal müsse man ihn bremsen, wird sein deutscher Trainer Marcus Kramer zitiert und auch Axel Teichmann, einst selbst ein Star der Szene, glaubt, dass Bolschunow eher zu Extremen neigt. Extrem ehrgeizig ist der Russe ohnehin. Nach Niederlagen spricht er manchmal stundenlang nicht und wenn er sich ungerecht behandelt fühlt, dann gehen mit ihm auch schon mal die Pferde durch. So wie beim Weltcup in Lahti, als ihn der finnische Schlussläufer Joni Maeki regelwidrig die Bahn im Schlussspurt zumachte und dafür ersten einen Schlag mit dem Stock kassiert und im Ziel von Bolschunow im Stile einer Dampframme attackiert wurde. Inzwischen hat sich Alexander Bolschunow für den Fauxpax entschuldigt, das Thema ist vom Tisch, der Weltverband FIS sprach als Strafe aus, den Russen in den nächsten fünf Weltcuprennen nur auf „Bewährung“ laufen zu lassen. Und noch eine Besonderheit zeichnet Bolschunow aus – er ist abergläubisch. Als er bei einem Weltcup mal vergeblich einen Handschuh suchte und nicht fand, nahm er das fehlende Stück einfach von einem anderen Paar – und lief mit zwei verschiedenfarbigen Handschuhen zum Erfolg. Weil das klappte, wurde es zur Marotte. Und da Russland ja in Oberstdorf nicht als Russland starten darf und alle nationalen Symbole verboten sind, musste Alexander Bolschunow erneut die Handschuhe wechseln. Seiner Angewohnheit mit den verschiedenen Handschuhen aber blieb er treu und wer genau auf das Foto vom Jubel beim Überqueren der Ziellinie schaut, der sieht – rechte Hand Kinetixx gelb, linke Hand Kinetixx schwarz. So geht Erfolg!

 

Foto: K.Voigt Fotografie

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