{"id":691,"date":"2019-03-23T19:29:05","date_gmt":"2019-03-23T19:29:05","guid":{"rendered":"http:\/\/wintersport.news\/?p=691"},"modified":"2019-07-17T09:27:33","modified_gmt":"2019-07-17T09:27:33","slug":"sigi-heinrich-blog-ein-leiser-abschied","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wintersport.news\/en\/sigi-heinrich-blog-ein-leiser-abschied\/","title":{"rendered":"Sigi Heinrich-Blog: Ein leiser Abschied"},"content":{"rendered":"<p>Ein gro\u00dfer Name, einer der gr\u00f6\u00dften im Biathlon. Fourcade. Er ist in Oslo aber er nimmt nicht an den Wettk\u00e4mpfen teil und trotzdem taucht der Name im Ergebnis auf. Fourcade. Aber der eine, an den jeder sofort denkt, ist Martin, der Seriensieger der letzten Jahre, der andere Fourcade ist Simon (35), der vier Jahre \u00e4ltere Bruder, der in Oslo im Sprint dabei war. Er beendete den Wettkampf mit einem 65. Platz und hat sich so nicht mehr f\u00fcr den Verfolger am Holmenkollen qualifizieren k\u00f6nnen. Und so war einen Tag fr\u00fcher als geplant Schluss mit dem Leben als Biathlet. Nie w\u00e4hrend seiner gesamten Karriere konnte er aus dem Schatten seines weitaus talentierteren Bruders treten. Siebenmal wurde er im Weltcup Zweiter. Ich erinnere mich noch gut an die Weltmeisterschaften 2012 in Ruhpolding, als er nahe dran war, sich einen Weltmeistertitel zu sichern. Dann kam ihm im Einzel noch der Slowene Jakov Fak zuvor. Er wurde wieder Zweiter. Und bei den Siegerehrungen im Champions-Park, bei dem die ersten Sechs des Klassements eingeladen wurden, stand er gedankenverloren\u00a0 dreimal in der Reihe und schaute immer voller Sehnsucht nach rechts, wo dreimal Martin als Weltmeister geehrt wurde. Im Sprint, Im Verfolger und im Massenstart. Und Simon? Er wurde F\u00fcnfter, Sechster und wieder F\u00fcnfter. Weltklasse. Es war vielleicht sein bestes Jahr. Und doch f\u00fchlte er sich in diesem Moment als der einzige grosse Verlierer. Das sah man ihm an. Es war nur Trauer um ihn herum. Abgeh\u00e4ngt vom eigenen Bruder, der auf die Blutsbande keine R\u00fccksicht nahm, nicht nehmen konnte. In der sportlichen Auseinandersetzung werden famili\u00e4re Verbindungen ausgesetzt. Das hat schon Dag Bj\u00f6rndalen erlebt, als ihm sein j\u00fcngerer Bruder Ole-Einar fr\u00fch die Show stahl. Das geht jetzt im Augenblick Tarje Boe so, der keine Chance hat gegen Johannes Thingnes. der in Oslo soeben den Rekord von 14 Siegen in einer Saison von Kinetixx-Vorzeigeathlet Martin Fourcade eingestellt hat. Auch Magdalena Forsberg gelangen in einer Saison einmal 14 Siege. F\u00fcr Simon waren die Dauererfolge von Martin ein pers\u00f6nliches Drama und es gab Zeiten, das schien er nicht in der Lage zu sein, diese st\u00e4ndigen Niederlagen verkraften zu k\u00f6nnen. Fatalerweise war es auch ein Franzose, n\u00e4mlich Raphael Poiree, der bei seinem ersten Podestplatz 2007 in Lahti vor ihm lag. Simon, dem man in Jugend-und Juniorenjahren grosses Talent bescheinigte, was durch Titel in diesem Altersbereich auch dokumentiert wurde, war der Fourcade-Schattenmann. Ein ganzes Sportlerleben lang. Und es war ihm nie ein grosser Trost, dass er in der Staffel gemeinsam mit Martin dreimal WM-Silber gewann. Nie Gold. Das gelang ihm ein einziges Mal bei der Weltmeisterschaft 2009 in PyoengChang, Ohne Martin. In der Mixed-Staffel siegte er mit Marie Laure Brunet, Sylvie Becaert und Vincent Defrasne. Es war der grosse Gl\u00fccksmoment f\u00fcr ihn. Dass er es in \u00d6stersund noch einmal in das franz\u00f6siche Team schaffte, verdankt er seinem neuerlich erwachten Kampfgeist. Er qu\u00e4lte sich durch den IBU-Cup, machte mit ordentlichen Leistungen auf sich aufmerksam und durfte in Schweden \u00fcberraschenderweise seine zehnte Weltmeisterschaft absolvieren. Und in J\u00e4mtland streiften ihn pl\u00f6tzlich und unerwartet doch noch ein paar sportliche Sonnenstrahlen zum Ausklang seiner Karriere. Simon Fourcade war im Einzelrennen besser. Besser als der vier Jahre j\u00fcngere Bruder Martin. Simon landete auf dem 19. und Martin exakt 20 R\u00e4nge dahinter auf dem 39. Platz. Verkehrte Welt f\u00fcr einen winzigen Moment in der Karriere des Simon Fourcade aber ein sch\u00f6ner, m\u00f6glicherweise sogar vers\u00f6hnlicher Wechsel der \u00fcblichen Reihenfolge, der ihm noch einmal zeigte, dass es vielleicht doch nicht so falsch war, vor seinem Bruder mit Biathlon begonnen zu haben. Eines jedenfalls hat Simon seinem Bruder Martin voraus. Er kann Niederlagen besser wegstecken als sein j\u00fcnger Bruder.\u00a0 Das freilich\u00a0 musste er\u00a0 fr\u00fch lernen, um zw\u00f6lf Jahre im Weltcup zu \u00fcberstehen. Meist sprach man eben nur \u00fcber Martin\u00a0 und er, Simon, tauchte nur als Anh\u00e4ngsel im Ergebnisteil auf. Sein Abschied wird auch deshalb nicht mit Champagner und lautem Get\u00f6se enden. Das w\u00fcrde nicht zu ihm passen. Simon Fourcade h\u00f6rt einfach auf. Leise, wie so viele vor ihm. Adieu Simon.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein gro\u00dfer Name, einer der gr\u00f6\u00dften im Biathlon. Fourcade. Er ist in Oslo aber er nimmt nicht an den Wettk\u00e4mpfen teil und trotzdem taucht der Name im Ergebnis auf. Fourcade. 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