{"id":664,"date":"2019-03-17T20:10:33","date_gmt":"2019-03-17T20:10:33","guid":{"rendered":"http:\/\/wintersport.news\/?p=664"},"modified":"2019-07-17T09:28:25","modified_gmt":"2019-07-17T09:28:25","slug":"elchgefluester-sigis-wm-tagebuch-10","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wintersport.news\/en\/elchgefluester-sigis-wm-tagebuch-10\/","title":{"rendered":"Elchgefl\u00fcster: Sigi`s WM-Tagebuch"},"content":{"rendered":"<p>Ein letztes Mal noch aufb\u00e4umen. Schlussspurt. Wo sind sie, die Reserven? Alle aufgebraucht? Verdammt, es muss doch noch ein Rest vorhanden sein. Irgendwo versteckt eine winzige Energiequelle, die wir noch anzapfen k\u00f6nnen. Schlie\u00dflich ist nach der Weltmeisterschaft vor dem Weltcup-Finale. Von wegen Saisonende. Wieder Koffer einpacken, auspacken. Das Leben im Biathlon-Zirkus ist bei weitem nicht so glamour\u00f6s, wie viele glauben. Es ist im Gegenteil ein harter Job. F\u00fcr alle Beteiligen und vor allem nat\u00fcrlich f\u00fcr die Protagonisten, f\u00fcr die Biathletinnen und Biathleten. Die meisten haben ihre Komfortzone schon lange nicht mehr gesehen. Die Familien, die Freunde, die gewohnte Umgebung. Auf vieles, was f\u00fcr viele das Leben erst lebenswert macht, m\u00fcssen Sportler und ihre Entourage oft f\u00fcr lange Zeit verzichten. Und trotzdem jammert nat\u00fcrlich niemand. Es wird ja auch niemand gezwungen, ein solches Vagabundenleben zu f\u00fchren, das andererseits auch Vorteile mit sich bringt. Es gibt keinen Alltagstrott, weil die Lokalit\u00e4t ja st\u00e4ndig wechselt. W\u00f6chentlich meist. Vielleicht ist deshalb ein Weltmeisterschaft anstrengender als der normale Ablauf von Weltcup zu Weltcup, weil man pl\u00f6tzlich zwei Wochen in immer der gleichen Umgebung immer die gleichen Gesichter sieht. Und weil nat\u00fcrlich der ber\u00fchmte Erwartungsdruck von Tag zu Tag gr\u00f6sser wird. Von den Aktiven wird Leistung verlangt in form von Medaillen. Und wehe, sie stellen sich nicht postwendend ein: Krise sag ich nur. Megakrise sp\u00e4ter, wenn die Niederlagen zur Gewohnheit werden. Trainer r\u00e4tseln wie am Beispiel von Kinetixx-Topathlet Martin Fourcade, dem grossen Verlierer dieser Titelk\u00e4mpfe. Ratlosigkeit umgibt den dominierenden Biathleten der letzten Jahre. Siebenmal hat er in Folge den Gesamtweltcup gewonnen, unz\u00e4hlige WM-Medaillen gesammelt und in \u00d6stersund dem Slogan der WM st\u00e4ndig Leben eingehaucht:\u00a0 &#8222;Jeden Tag ein neues Drama.&#8220;\u00a0 Sogar sein \u00e4lterer Bruder Simon war wieder einmal vor ihm platziert.. Auch wir stehen unter intensiverer Beobachtung als normal. Quoten sag ich nur. Die schreibenden Kollegen suchen st\u00e4ndig Geschichten. Aufregende nat\u00fcrlich. Zum Gl\u00fcck gab es die hier zuhauf, denn diese Titelk\u00e4mpfe werden als Zeitenwende im Biathlon in die Geschichte eingehen. Als Wachabl\u00f6sung. Johannes Thingnes Boe, bitte \u00fcbernehmen sie. W\u00e4hrend der Weltmeisterschaft hat er mit der Silbermedaille im Verfolger so nebenbei den Gesamt-Weltcup gewonnen. Im allgemeinen Entsetzen \u00fcber die Tatsache, das er tats\u00e4chlich die Goldmedaille verschenkte mit dem letzten Schiessen, ging dies unter. Es fehlt ihm jetzt nur noch ein Sieg, um wie Fourcade dereinst 14 Saisonsiege einzufahren. Und weil der flotte Norweger erst 25 Jahre alt ist, k\u00f6nnten sogar die stets als unerreichbar geltenden Bestmarken von Ole-Einar Bj\u00f6rndalen noch fallen. Boe muss bloss noch etwa zehn Jahr auf diesem Niveau laufen. Doch ob er das tun wird, ist fraglich. Er hat geheiratet. Oft hat das Folgen. Frag nach bei Erik Lesser oder Arnd Peiffer oder Selina Gaspariin oder Anastasia Kuzmina oder eben auch bei Martin Fourcade. Sie alle haben l\u00e4ngst Nachwuchs bekommen, sind jetzt nicht nur Biathleten sondern auch Eltern. Es ist die Generation der \u00fcber 30j\u00e4hrigen (Ausnahme Johannes Thingnes Boe), die den Rhythmus bestimmt. Doch wie lange noch? Es gibt eben auch die biologische Uhr. Vor allem bei den Biathletinnen ist es nicht einfach, sich zwischen Sport und Nachwuchs zu entscheiden. Auch deshalb (aber nicht nur deshalb) hat etwa\u00a0 Magadelena Neuner fr\u00fchzeitig ihre Karriere beendet. Und es kann sein und die Zeichen mehren sich, dass eine andere deutsche Athletein auch ziemlich bald, vielleicht sogar sehr bald, den Dienst quittieren wird. Und mit diesem R\u00e4tsel verabschiede ich mich aus \u00d6stersund, meiner zwanzigsten\u00a0 Biathlon-Weltmeisterschaft. Die n\u00e4chste Station wartet schon. Das Weltcup-Finale in Oslo. Bis dahin also.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein letztes Mal noch aufb\u00e4umen. Schlussspurt. Wo sind sie, die Reserven? Alle aufgebraucht? Verdammt, es muss doch noch ein Rest vorhanden sein. 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