{"id":643,"date":"2019-03-14T13:38:40","date_gmt":"2019-03-14T13:38:40","guid":{"rendered":"http:\/\/wintersport.news\/?p=643"},"modified":"2019-07-17T09:29:34","modified_gmt":"2019-07-17T09:29:34","slug":"elchgefluester-sigis-wm-tagebuch-7","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wintersport.news\/en\/elchgefluester-sigis-wm-tagebuch-7\/","title":{"rendered":"Elchgefl\u00fcster: Sigi`s WM-Tagebuch"},"content":{"rendered":"<p>Endlich eine gro\u00dfe Fete und wir hatten allen Grund, gut drauf zu sein, denn Arnd Peiffer hatte in einem der schwierigsten Einzelrennen einer Weltmeisterschaft in den letzten Jahren die Goldmedaille gewonnen. Stumpfer Schnee, m\u00f6rderische Anstiege, wechselnde Winde: Die Umst\u00e4nde h\u00e4tten nicht dramatischer sein k\u00f6nnen, doch Peiffer schien die Ruhe selbst zu sein. Vier Schie\u00dfeinlagen bew\u00e4ltigte er fehlerlos und wenn ich an dieser Stelle mal richtig pers\u00f6nlich werden darf: Ich habe mich sehr \u00fcber seinen Sieg gefreut, weil ich ihn schon zw\u00f6lf Jahre kenne, und er war in all diesen Jahren immer ein angenehmer und netter Gespr\u00e4chspartner, dem die Erfolge nie zu Kopf gestiegen sind. Also war eine gro\u00dfe Sause angesagt und zuf\u00e4llig hatten die Organisatoren f\u00fcr die internationale Journaille an diesem denkw\u00fcrdigen Abend ein Buffet aufgebaut. Zwangslos sollten sich alle g\u00fctlich halten im Vorraum des Pressezentrums, das schon von dem Augenblick an \u00fcberf\u00fcllt war, als die ersten Tische aufgebaut wurden. Vor allem die TV-Kollegen des schwedischen Fernsehens dr\u00e4ngten sich an die K\u00e4sew\u00fcrfel und leerten die Bierk\u00e4sten. Einige Kollegen wurden gar die Treppen hinuntergeschoben, was durchaus gef\u00e4hrlich war. Wer sich einen kleinen Teller sichern konnte, geh\u00f6rte zu den Gl\u00fcckskindern dieser wilden Party, die typisch war f\u00fcr diese Weltmeisterschaft. Ich bin jetzt schon \u00fcber zwanzig Jahre in der Szene dabei, habe aber eine derart nachl\u00e4ssige und lustlose Betreuung noch nie erlebt. Ich will nicht jammern. Wirklich nicht. Wir, also, diejenigen, die wir hier arbeiten und uns meist den ganzen Tag an der Anlage aufhalten, bekommen nicht mal Wasserflaschen zur Verf\u00fcgung gestellt. Im Vorjahr beim Weltcup gab es noch als H\u00f6hepunkt des Gourmet-Festivals labbrige Hot-Dogs, die wir mittlerweile direkt vermissen. Man kann sich f\u00fcr zehn Euro einen Gutschein kaufen und bekommt dann in einem ausgelagerten Zelt kalte Nudeln serviert. Es ist hier schon ein Running Gag wenn einem zugerufen wird: &#8222;Du hast hier schon ganz sch\u00f6n zugenommen&#8220;. Es gibt keine Pins, es gibt keine kleinen Aufmerksamkeiten, die Ergebnislisten sind oft nicht vollst\u00e4ndig vorr\u00e4tig. Selbst die Athleten beklagen das Essen im sogenannten Family-Bereich, zu dem nur sie und die Trainer und Betreuer Zutritt haben. Matthias Ahrens, der kanadische Trainer aus Kochel am See, hat mir erz\u00e4hlt, dass der medizinische Bereich aus zwei Bierb\u00e4nken besteht und einem Biertisch, den man aber erst aufbauen muss. Einer seiner Athleten, Christian Gow, ben\u00f6tigte \u00e4rztliche Hilfe nach Magenproblemen. Ahrens war geschockt. In den Umkleidekabinen sitzen die Athleten dichter zusammen als H\u00fchner in der Massentierhaltung, wie mir aus sicherer Quelle zugetragen wurde. Nein, wir erwarten hier nicht Firstclass-Service oder Rundumbetreuung den ganzen Tag. Wir brauchen keine Kaviarh\u00e4ppchen und gebeizten Lachs. Wir wollen eigentlich nur, dass gewisse Standards auch bei einer WM geboten werden, die wir aus Hochfilzen, Oberhof und im Besonderen aus Ruhpolding und Antholz bekommen. Da gibt es neben den Kalorien auch noch herzliche und vorbildliche Betreuung. Der Weltmeisterschaft in \u00d6stersund fehlt weltmeisterliches Niveau. Auch auf den Zuschauerr\u00e4ngen ist das zu erkennen. Volle Trib\u00fcnen sehen anders aus.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Endlich eine gro\u00dfe Fete und wir hatten allen Grund, gut drauf zu sein, denn Arnd Peiffer hatte in einem der schwierigsten Einzelrennen einer Weltmeisterschaft in den letzten Jahren die Goldmedaille gewonnen. Stumpfer Schnee, m\u00f6rderische Anstiege, wechselnde Winde: Die Umst\u00e4nde h\u00e4tten nicht dramatischer sein k\u00f6nnen, doch Peiffer schien die Ruhe selbst zu sein. 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