{"id":628,"date":"2019-03-12T14:46:29","date_gmt":"2019-03-12T14:46:29","guid":{"rendered":"http:\/\/wintersport.news\/?p=628"},"modified":"2019-07-17T09:30:55","modified_gmt":"2019-07-17T09:30:55","slug":"elchgefluester-sigis-wm-tagebuch-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wintersport.news\/en\/elchgefluester-sigis-wm-tagebuch-5\/","title":{"rendered":"Elchgefl\u00fcster: Sigi`s WM-Tagebuch"},"content":{"rendered":"<p>T\u00fcr auf. Ein Bett, ein Schrank, ein Schreibtisch. Mit etwas Gl\u00fcck gibt es im Bad ein Fenster, meist nicht. Mit viel Gl\u00fcck hat das Zimmer einen Holzboden, meist nicht und dann sieht man dem Teppich seine Lebensjahre an, denn ganz fleckenlos ist er oft nicht. Hotelzimmer gleichen sich auf jedem Kontinent. Dank optimaler Raumausnutzung wird ein Optimum an Gewinn erzielt. Hat man auch noch das Pech, ein Einzelzimmer buchen zu m\u00fcssen, wird es wirklich eng. Denn dann klebt die Matraze an der Wand und wann immer man sich im Schlaf umdreht, schl\u00e4gt ein Arm an die Tapete. Nat\u00fcrlich l\u00e4sst sich das vermeiden bei Buchung einer h\u00f6heren Kategorie. Das ist dann eine Frage des zur Verf\u00fcgung stehenden Budgets. Oder aber man geht diesen meist schmucklosen Hotelbauten aus dem Weg und bucht ein Haus. Boris Becker oder Steffie Graf haben das zu ihrer Zeit in Wimbledon schon praktiziert und sind dabei nobel untergekommen. Die jeweiligen Besitzer der H\u00e4user in der N\u00e4he der Tennisanlage wurden von ihren jeweiligen Besitzern komplett den Sportlern zur Verf\u00fcgung gestellt. Von den Einnahmen liess sich dabei l\u00e4ssig ein Urlaub buchen. Mit Kingsize-Bett im Hotel. Jetzt haben auch die Biathleten diese Form der Unterkunft f\u00fcr sich entdeckt. Ein Haus f\u00fcr alle. Mit eigener K\u00fcche und viel Freiraum. Mit einem Wohnzimmer wie zuhause, mit einem kleinen Vorgarten. Mit Auslauf eben. Da \u00f6ffnet man die T\u00fcre des Schlafzimmers und steht nicht gleich in einem seelenlosen, engen Gang. Man trifft maximal die Kollegen und nicht st\u00e4ndig wildfremde Menschen, die vielleicht auch noch um ein Autogramm nachfragen. Fast alle Nationen haben sich w\u00e4hrend der Weltmeisterschaft in \u00d6stersund so versorgt. Ich freue mich, dass ich diesbez\u00fcglich ausnahmsweise mal meiner Zeit voraus war. Schon vor acht Jahren bin ich auf einen Bauerhof gezogen in eine Vorratskammer, die der Besitzer zu einem gem\u00fctlichen H\u00e4uschen umgebaut hat. An die ersten Kommentare damals kann ich mich noch heute erinnern. Ich sei, so meinten die Kollegen, viel zu weit weg vom Schuss. Und sie schauten mich fast mitleidig an, weil ich vor meiner Haust\u00fcre nur schneebedeckte Wiesen habe und keine Restaurants, keine Gesch\u00e4fte. Wie, so war der einm\u00fctige Tenor, kann ich da \u00fcberhaupt \u00fcberleben?. Ich habe mir dann die M\u00fche gemacht und viele mal eingeladen. Und siehe da: Sie sind pl\u00f6tzlich sogar ein wenig neidisch geworden. Pl\u00f6tzlich hiess es: Ja, Mensch, die Ruhe, die ist ja einmalig. Und: So weit weg ist das ja gar nicht. Nat\u00fcrlich habe ich sofort erw\u00e4hnt, dass dieses H\u00e4uschen\u00a0 nur an mich vermietet werden kann w\u00e4hrend der Biathlonwochen. Damit da niemand auf falsche Gedanken kommt.\u00a0 Meine Gastgeber Monika und ihr Ehemann Mats\u00a0 sind mir n\u00e4mlich l\u00e4ngst ans Herz gewachsen. Auf den Service eines eigenen Kochs, den sich viele Mannschaften g\u00f6nnen, kann ich \u00fcbrigens verzichten, da ich sowieso leidenschaftlich auch am heimischen\u00a0 Herd mein Unwesen treibe. Aber auch die deutschen M\u00e4nner sind diesbez\u00fcglich bestens versorgt, denn Benedikt Doll hat die Freude am Kochen von seinem Papa Charly Doll \u00fcbernommen, der in seinem Seminarhotel &#8222;Sonnenhof&#8220; die Gourmetherzen h\u00f6her schlagen l\u00e4sst. Ich habe am ersten Abend Spaghetti Carbonara aufgetischt.\u00a0 Nat\u00fcrlich die italienische Variante ohne Sahne, wie das leider in Deutschland so \u00fcblich geworden ist. Und die Sache mit der Einsamkeit, die ist jetzt auch nicht mehr so dramatisch, denn mit Helmut Hanus, Head of Wintersportmarketing von Kinetixx und Alfred Eder, dem Vater des \u00f6sterreichischen Baithleten Simon Eder, teile ich mir w\u00e4hrend der Weltmeisterschaft mein schwedisches Wohnjuwel. Es macht n\u00e4mlich viel mehr Spass, gr\u00f6ssere Portionen zu kochen und noch mehr macht es Spass, gemeinsam zu essen mit einem sch\u00f6nen Blick auf die tiefverschneite Lanschaft. Seelentraining nenne ich das gerne.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>T\u00fcr auf. Ein Bett, ein Schrank, ein Schreibtisch. Mit etwas Gl\u00fcck gibt es im Bad ein Fenster, meist nicht. 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