{"id":578,"date":"2019-03-08T11:25:40","date_gmt":"2019-03-08T11:25:40","guid":{"rendered":"http:\/\/wintersport.news\/?p=578"},"modified":"2019-07-17T09:33:00","modified_gmt":"2019-07-17T09:33:00","slug":"elchgefluester-sigis-wm-tagebuch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wintersport.news\/en\/elchgefluester-sigis-wm-tagebuch\/","title":{"rendered":"Elchgefl\u00fcster: Sigi`s WM-Tagebuch"},"content":{"rendered":"<p>Es sind genau 2160 Kilometer, die zwischen Seefeld in Tirol (\u00d6sterreich) und \u00d6stersund in J\u00e4mtland (Schweden) liegen. Eine ordentliche Distanz w\u00fcrde ich sagen. Und doch ist momentan, trotz der Entfernung, eine gemeinsame und ziemlich enge Verbindung zu erkennen, auf die sicher beide Ortschaften verzichten k\u00f6nnten. Das Band ist blutgetr\u00e4nkt. Doping. Der in Seeleld j\u00fcngst aufgedeckte Skandal um Blutdoping macht auch nicht Halt vor der Weltmeisterschaft im Biathlon. Obwohl hier noch rein gar nichts passiert ist und, so hoffen wir alle fast inst\u00e4ndig, dass auch nichts in dieser Richtung aufgedeckt werden wird. Es gibt keine neuen Fakten und trotzdem: Als Mark Kirchcner, der Cheftrainer der deutschen Mannschaft, gestern vor die versammlte deutsche Presse trat, gab es h\u00f6flicherweise zun\u00e4chst Fragen nach den Athleten, nach dem Gesundheitszustand von Laura Dahlmeier (leicht Erk\u00e4ltung, aber sie konnte trainieren, wenngleich sie auf einen Einsatz in der Mixedstaffel verzichtete) und nach der m\u00f6glichen Aufstellung f\u00fcr den Sprint. Aber dann wurde der Vorhang der Allgemeinpl\u00e4tze schon zugezogen und die Causa Doping nahm in der Folge breiten Raum ein. Kirchner ist l\u00e4ngst Profi auch im Umgang mit den Medien. Das brachte ihn nicht aus der Ruhe und doch sagte er einen Satz mit st\u00e4rkerer Betonung.&#8220;<\/p>\n<blockquote><p>Wir wollen uns hier doch auf den Sport konzentrieren,&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>meinte er und sprach damit vielen aus der Seele. Auch wir sp\u00fcren diese dunkle Wolke, die scheinbar m\u00fchelos\u00a0 von Tirol nach Skandinavien gezogen ist und die versucht, sich wie ein Schatten \u00fcber diese WM zu legen. Die Kollegen, die jetzt erst anreisen, bringen &#8211; so ist das immer schon gewesen &#8211; die aktuellen Tageszeitungen mit und nur ein Blick gen\u00fcgt, um zu erkennen, dass die Titelk\u00e4mpfe der Biathleten eher in der linken unteren Seite auftauchen, wo erfahrungsgem\u00e4ss weniger gelesen wird. Doping dominiert die \u00dcberschriften. &#8222;Leistungssport ist reine Heuchelei&#8220;. titelt eine deutsche Tageszeitung auf ihrer Sportseite und \u00fcbernimmt damit eine Aussage von Stefan Matschiner, einem \u00f6sterreichischen Mittelstreckenl\u00e4ufer und Sportmanager, der Blutdoping bei einigen seiner Athleten betrieb und vor neun Jahren nach Beschuldigung ehemaliger Klienten von ihm zu einer f\u00fcnfzehnmonatigen Gef\u00e4ngnisstrafe verurteilt wurde, die er freilich nie antreten musste. Die ehemaligen S\u00fcnder, die dereinst kriminelle Strukturen aufbauten, werden pl\u00f6tzlich reingewaschen und sind die neuen Helden. Zuviel der Ehre, viel zu viel. Sie sollten nicht mal zu Wort kommen d\u00fcrfen. Eigentlich ist es eine untragbare Situation, denn jede Behauptung von Matschiner wird in diesem Interview unwidersprochen gedruckt. So gibt er den Hinweis, dass man ja nur nach Slowenien fahren m\u00fcsse, um Blutdoping zu machen. Da seien die Gesetze lascher. Wer in \u00d6sterreich erwischt wird, so sein Tenor, sei selber schuld. Nat\u00fcrlich wird das jetzt gelesen, deshalb wurde es ja auch ver\u00f6ffentlicht, denn jetzt ist ein guter Zeitpunkt. Eine Weltmeisterschaft wurde eben begonnen und das auch noch in der Lieblingswintersportart der Deutschen. Das generiert automatisch mehr Interesse wobei die Problematik auch darin besteht, dass mancher Leser kaum noch differenziert. Da werden alle ziemlich schnell in einen Topf geworfen und Biathlon ist dann auch gleich Langlauf. Noch freilich dominiert trotzdem in Schweden momentan ein anderes, eher leichtes Thema. Der Winter ist n\u00e4mlich zur\u00fcck mit aller Macht und kr\u00e4ftigen Schneef\u00e4llen und der erste Wettkampf fand auch schon statt und endete mit einer Silbermedaille f\u00fcr die deutsche Mixedstaffel mit Vanessa Hinz, Denis Hermann, Arnd Peiffer und Benedikt Doll. So allm\u00e4hlich\u00a0 bewegen sich die rein sportlichen Geschichten wieder in die Mitte der Zeitungsspalten, wo sie sich hoffentlich lange einnisten k\u00f6nnen. Und vielleicht verfl\u00fcchtigt sich die schwarze Wolke ja doch noch. Ich will halt auch ein bisschen tr\u00e4umen d\u00fcrfen. Das hilft manchmal gegen die eigene Verunsicherung, die sich ebenfalls nicht ganz leugnen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Von der Weltmeisterschaft in \u00d6stersund wird es jetzt t\u00e4glich, auf unserem Blog, einen ganz pers\u00f6nlichen Einblick von Eurosport Kommentator Sigi Heinrich, hinter die Kulissen der WM geben \u2013 <strong>Elchgefl\u00fcster<\/strong> eben. Stay tuned!<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es sind genau 2160 Kilometer, die zwischen Seefeld in Tirol (\u00d6sterreich) und \u00d6stersund in J\u00e4mtland (Schweden) liegen. Eine ordentliche Distanz w\u00fcrde ich sagen. 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