{"id":4778,"date":"2024-02-08T11:55:54","date_gmt":"2024-02-08T11:55:54","guid":{"rendered":"https:\/\/wintersport.news\/?p=4778"},"modified":"2024-02-08T11:57:07","modified_gmt":"2024-02-08T11:57:07","slug":"gut-ding-will-weile-haben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wintersport.news\/en\/gut-ding-will-weile-haben\/","title":{"rendered":"Gut Ding will Weile haben"},"content":{"rendered":"<div data-elementor-type=\"wp-post\" data-elementor-id=\"4778\" class=\"elementor elementor-4778\" data-elementor-post-type=\"post\">\n\t\t\t\t\t\t<section class=\"elementor-section elementor-top-section elementor-element elementor-element-219793f elementor-section-boxed elementor-section-height-default elementor-section-height-default\" data-id=\"219793f\" data-element_type=\"section\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-container elementor-column-gap-default\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-column elementor-col-100 elementor-top-column elementor-element elementor-element-442be94\" data-id=\"442be94\" data-element_type=\"column\">\n\t\t\t<div class=\"elementor-widget-wrap elementor-element-populated\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-f43d312 elementor-widget elementor-widget-heading\" data-id=\"f43d312\" data-element_type=\"widget\" data-widget_type=\"heading.default\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-widget-container\">\n\t\t\t\t\t<h2 class=\"elementor-heading-title elementor-size-default\">Die Entwicklung des Frauenskispringens von den Anf\u00e4ngen bis zum Skifliegen gleicht einem Marathonn<\/h2>\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/section>\n\t\t\t\t<section class=\"elementor-section elementor-top-section elementor-element elementor-element-033487a elementor-section-boxed elementor-section-height-default elementor-section-height-default\" data-id=\"033487a\" data-element_type=\"section\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-container elementor-column-gap-default\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-column elementor-col-100 elementor-top-column elementor-element elementor-element-97cbaf2\" data-id=\"97cbaf2\" data-element_type=\"column\">\n\t\t\t<div class=\"elementor-widget-wrap elementor-element-populated\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-5e687dd elementor-widget elementor-widget-text-editor\" data-id=\"5e687dd\" data-element_type=\"widget\" data-widget_type=\"text-editor.default\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-widget-container\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<p>\u201eGut Ding will Weile haben\u201c, diese Lebensweisheit ist wurde schon im 17. Jahrhundert verschriftlicht, als ein gewisser Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen im \u201eAbenteuerlichen Simplicissimus\u201c exakt diesen Spruch aufschrieb. Auch Altmeister Goethe bediente sich des Satzes in \u201eWilhelm Meisters Wanderjahren\u201c, das war 1821. Es muss also etwas dran sein, an dieser Volksweisheit.<\/p><p>Und damit kommt Ragna Pettersen ins Spiel. Ob die Norwegerin Johann Wolfgang von Goethe kannte ist eher unwahrscheinlich. Zumindest kannte sie ihn definitiv nicht pers\u00f6nlich, denn Pettersen sprang als 10j\u00e4hrige Ski. Und zwar so gut, dass ihr in Nydalen 1897 \u2013 also schlappe 76 Jahre nach dem Sinnspruch des Dichterf\u00fcrsten \u2013 der erste verbriefte Weltrekord skispringender Frauen zugeordnet wird. Womit wir bei der Entwicklung des Frauenskispringens allgemein und dem Skifliegen f\u00fcr das weibliche Geschlecht im Besonderen w\u00e4ren. Denn hier gilt in ganz besonderer Auspr\u00e4gung die von Goethe und Grimmelshausen fixierte Volksweisheit. Aber der Reihe nach\u2026<\/p><p>Vergleicht man die Entwicklung der Parallel-Universen M\u00e4nner-Skispringen und Frauen-Skispringen miteinander, dann muss das Ding mit den Frauen besonders gut gewesen sein, denn die Entwicklung verlief alles andere als parallel \u2013 und damit ist nicht der Sprungstil gemeint.<\/p><p>Skispringen im M\u00e4nnerbereich zeichnete sich durch eine gewisse Kontinuit\u00e4t aus \u2013 die Schanzen wurden gr\u00f6\u00dfer, das Material besser, Publikumszuspruch und Popularit\u00e4t entwickelten sich, die Strukturen wurde professioneller, man suchte nach neuen Herausforderungen, zum Skispringen kam das Skifliegen hinzu; alles folgte einer gewissen Logik, ein Stein passte auf den anderen.<\/p><p>Bei den Frauen dagegen passte gar nichts. Zwar lassen sich immer wieder Gemeinsamkeiten feststellen \u2013 so ist Norwegen bei M\u00e4nnern und Frauen als das Ursprungsland der Disziplin verbrieft. Aber Frauenskispringen blieb weitestgehend eine Exoten-\u00dcbung, wenngleich aus dem norwegischen Trondheim schon 1914 von einem Wettkampf berichtet wird, an dem 28 Norwegerinnen teilgenommen haben sollen. Das aber war die l\u00f6bliche Ausnahme, ansonsten berichten die Chronisten von einzelnen Versuchen junger Frauen, die Schanzen zu beherrschen, in Skandinavien sowieso, aber auch in Mitteleuropa und den Vereinigten Staaten. Zu den Pionieren der des Frauenspringens z\u00e4hlen Damen wie die \u00d6sterreicherin Paula von Lamberg, die schon 1911 in Kitzb\u00fchl 22 Meter stand, die Norwegerin Johanna Kolstad, die 1938 den Weltrekord auf 72 Meter schraubte oder die Kanadierin Isabell Coursier, die auf dem Nordamerikanischen Kontinent f\u00fcr Aufmerksamkeit sorgte. Grunds\u00e4tzlich aber waren Wettbewerbe im Skispringen f\u00fcr Frauen undenkbar.<\/p><p>Es ist nur mit der allm\u00e4hlichen Emanzipation des weiblichen Geschlechts zu erkl\u00e4ren, das Skispringen f\u00fcr Frauen langsam Fahrt aufnahm. Denn nat\u00fcrlich gab es mutige M\u00e4dchen und Frauen, die es den Herren der Sch\u00f6pfung gleichtun wollten und die es auf die Schanzen zog. Wieder setzte eine Norwegerin das Signal, Anita Wold schraubte in den 70er des letzten Jahrhunderts mehrfach am Uralt-Weltrekord ihrer Landsfrau Kolstad aus den sp\u00e4ten 30ern, 1976 sprang sie 97,5 Meter weit. F\u00fcnf Jahre sp\u00e4ter schaffte die Finnin Tiina Lehtola mit 110 Metern den ersten Satz \u00fcber die magischer Einhunderter-Grenze und mit der \u00d6sterreicherin Eva Ganster versuchte sich dann die erste junge Dame auch am Skifliegen, kam am Kulm auf sensationelle 167 Meter. Das war aber schon 1997 \u2013 und einen regul\u00e4ren Wettbewerb f\u00fcr Frauen gab es immer noch nicht.<\/p><p>Der Weltskiverband reagierte \u2013 vorsichtig formuliert \u2013 zur\u00fcckhaltend auf das Ansinnen der Damen, eigene Wettk\u00e4mpfe auszurichten. Legend\u00e4r wurde der Spruch des einstigen FIS-Pr\u00e4sidenten Gian-Franco Kasper, Skispringen sei f\u00fcr Frauen aus medizinischen Gr\u00fcnden bedenklich. Bei der Wucht des Aufpralls bei der Landung k\u00f6nne die Geb\u00e4rmutter rei\u00dfen, so wird kolportiert, habe der FIS-Pr\u00e4sident einst moniert. Eine Aussage, die f\u00fcr Schlagzeilen sorgte, die Reaktionen reichten von Emp\u00f6rung bis Heiterkeit.<\/p><p>Aufhalten lie\u00df sich die Entwicklung aber auch durch den Pr\u00e4sidenten nicht. 1999 genehmigte die FIS den Grand Prix f\u00fcr Ladies \u2013 zun\u00e4chst im Sommer. Doch die Teilnehmerzahlen stiegen und damit auch die Chance, im Winter eine Wettkampfserie zu installieren. Heute hei\u00dft die Reihe, wie bei den M\u00e4nnern auch, Weltcup.\u00a0<\/p><p>Aber: Auch mit diesem Begriff ist bei Damen und Herren zwar das Gleiche gemeint, die Unterschiede sind aber nach wie vor vorhanden. Gesprungen wird bei den Frauen \u00fcberwiegend noch von Normalschanzen, den kleineren Bakken also im Vergleich zur Gro\u00dfschanze, das Fernsehen \u00fcbertr\u00e4gt eher weniger und damit driften auch die Vermarktungsm\u00f6glichkeiten zwischen Damen und Herren weit auseinander, Insider sprechen davon, das erfolgreiche Frauen bestenfalls ein Drittel des Werbesal\u00e4rs erwirtschaften k\u00f6nnen, vergleicht man die Summen mit den Ertr\u00e4gen der M\u00e4nner.<\/p><p>Dennoch: Die Unterschiede zwischen Frauen und M\u00e4nnern wurden im Skispringen schrittweise geringer, die Diskrepanz kleiner, die Gemeinsamkeiten gr\u00f6\u00dfer. Lag auch daran, dass die Mixed-Team-Wettbewerbe im letzten Jahrzehnt dazu beitrugen, die Akzeptanz des Frauenskispringens als die zu den M\u00e4nnern gleichwertige Teildisziplin zu etablieren.<\/p><p>Bliebe die letzte m\u00e4nnliche Dom\u00e4ne: Das Skifliegen. Eva Ganster, sp\u00e4ter auch Daniela Iraschko und einige andere mutige Damen hatten der Welt vorgef\u00fchrt, dass auch das Fliegen f\u00fcr Frauen kein un\u00fcberwindbares Hindernis darstellt. Iraschko schraubte den Weltrekord 2003 in Bad Mitterndorf auf 200 Meter. Aber der Weltverband stellte sich quer. Im konkreten Fall aber nicht aus Prinzip, sondern aus nachvollziehbaren Gr\u00fcnden.<\/p><p>Man muss kein Mediziner sein, um zu wissen, dass es zwischen M\u00e4nnern und Frauen k\u00f6rperliche Unterschiede gibt. Da w\u00e4re das Verh\u00e4ltnis von Muskulatur- zu Fettanteilen im Gewebe, da w\u00e4ren die Maximalkraft-M\u00f6glichkeiten, da w\u00e4ren Hebelwirkungen und K\u00f6rpergr\u00f6\u00dfe.\u00a0 Dies alles aber l\u00e4sst sich kompensieren \u2013 das Zauberwort hei\u00dft Anlaufl\u00e4nge. Richtig ist aber auch \u2013 Frauen springen etwas anders als M\u00e4nner. Wenn dann mit der durch den verl\u00e4ngerten Anlauf h\u00f6heren Geschwindigkeit St\u00fcrze passieren, kann das fatale Folgen haben. Und dieses Risiko scheute der Verband, vor dieser Gefahr warnen noch heute Experten, die dem Frauen-Skispringen grunds\u00e4tzlich wohlgesonnen sind, so \u00d6sterreichs Legende Toni Innauer.<\/p><p>Die Springerinnen selbst kennen das Risiko nat\u00fcrlich genau. Und lie\u00dfen sich dennoch davon nicht abschrecken. Im letzten Winter gab es dann den Durchbruch: Der Weltverband entschloss sich, auch die letzte M\u00e4nner-Bastion in der Disziplin einzurei\u00dfen, die Frauen nutzten ihre Chance, katapultierten sich in norwegischen Vikersund \u00fcber die 200-Meter-Marke. Norwegens Maren Lundby schraubte zun\u00e4chst den Landesrekord auf stolze 212,5 Meter und der neue Weltrekord steht jetzt bei 226 Metern, wird von Ema Klinec aus Slowenien gehalten. Und damit sind die M\u00f6glichkeiten garantiert noch l\u00e4ngst nicht ausgereizt.<\/p><p>Ende der aktuellen Saison werden die Frauen wieder in Vikersund erscheinen und versuchen, die Bestmarke erneut zu testen. Oder die pers\u00f6nlichen Grenzen. Denn \u00fcber 200 Meter zu segeln ist f\u00fcr viele Ladies ein pers\u00f6nlicher Traum, den sie sich erf\u00fcllen wollen. Wenn nicht in diesem Winter, dann im n\u00e4chsten. Denn gerade bei einem Wettbewerb im Grenzbereich des M\u00f6glichen ist Geduld ein wesentlicher und wichtiger Faktor. Nur Maren Lundby wird nicht mehr dabei sein, weil die 29j\u00e4hrige Ende des letzten Jahres Schluss machte. Aber Lundby hat in ihrer Laufbahn alles erreicht, ist Olympiasiegerin, Weltmeisterin, \u00fcber 200 Meter geflogen. Mehr geht (noch) nicht. Wahrscheinlich werden Skispringerinnen in 20 Jahren \u00fcber diese Einengung der M\u00f6glichkeiten den Kopf sch\u00fctteln. H\u00f6hepunkte wie die Vierschanzentournee oder eine Skiflug-WM fehlen derzeit noch auf der Agenda. Aber: In diesem Punkt sind die Damen inzwischen entspannt, denn wenn Skispringerinnen in der Vergangenheit eines gelernt haben, dann das: Gut Ding will Weile haben.<\/p><p>Photo by Dominik Berchtold \/ VOIGT<\/p>\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/section>\n\t\t\t\t<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Entwicklung des Frauenskispringens von den Anf\u00e4ngen bis zum Skifliegen gleicht einem Marathonn \u201eGut Ding will Weile haben\u201c, diese Lebensweisheit ist wurde schon im 17. Jahrhundert verschriftlicht, als ein gewisser Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen im \u201eAbenteuerlichen Simplicissimus\u201c exakt diesen Spruch aufschrieb. 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