{"id":1909,"date":"2020-12-19T15:50:22","date_gmt":"2020-12-19T15:50:22","guid":{"rendered":"https:\/\/wintersport.news\/?p=1909"},"modified":"2020-12-19T15:50:22","modified_gmt":"2020-12-19T15:50:22","slug":"pokern-auf-dem-trainerturm","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wintersport.news\/en\/pokern-auf-dem-trainerturm\/","title":{"rendered":"Pokern auf dem Trainerturm"},"content":{"rendered":"<p><strong>Alexander St\u00f6ckl f\u00fchrt Norweger mit cleverer Taktik zum Skiflug-WM-Titel<\/strong><\/p>\n<p>Es gibt bisher nur zwei Nationen, die sich den seit 2004 ausgeflogenen Titel des Mannschafts-Skiflug-Weltmeisters sichern konnten. \u00d6sterreichs Adler standen schon ganz oben, das eigentliche Abonnement auf den Titel haben allerdings die Norweger gepachtet. Aber 2020 ist bekanntlich alles anders, statt im M\u00e4rz gab es die Welttitelk\u00e4mpfe im Fliegen erst im Dezember und vor dem letzten Sprung im WM-Teamwettbewerb f\u00fchrten diesmal nicht die Skandinavier, sondern das deutsche Team. Auch deshalb, weil der Trainer der DSV-Adler, Stefan Horngacher, im Finale des ersten Durchgangs vor dem Flug von Einzelweltmeister Karl Geiger den Anlauf mit Absicht verk\u00fcrzt hatte. Geiger flog weit, sein direkter Konkurrent, Vizeweltmeister Halvor Egner Granerud konnte nicht mehr kontern \u2013 das DSV-Quartett segelte bei Halbzeit auf Platz eins, auch dank des Pokertricks des Trainers aus \u00d6sterreich in deutschen Diensten.<\/p>\n<p>Im Finale herrschten andere Vorzeichen. Nun war Norwegen \u2013 wieder mit Granerud \u2013 vor den Deutschen an der Reihe und diesmal griff deren Trainer, Alexander St\u00f6ckl, in die Skiflug-Poker-Trickkiste. St\u00f6ckl, ebenfalls \u00d6sterreicher, verk\u00fcrzte um gleich zwei Luken, darauf vertrauend, dass sein Adler trotz des verk\u00fcrzten Anlaufs weit segeln w\u00fcrde. Der 24j\u00e4hrige aus Oslo tat genau das \u2013 234,5 Meter wurden f\u00fcr ihn vermessen und nun lag der Druck auf Deutschland. Trainer Horngacher \u2013 wie St\u00f6ckl einst f\u00fcr \u00d6sterreich als Springer auf den Schanzen aktiv \u2013 konterte, allerdings \u00fcberforderte er damit wohl die Verantwortlichen auf dem Schanzenturm. Die hatten den Anlauf von Luke 10 zun\u00e4chst wieder auf Luke 12 gestellt, dann auf Luke 11 heruntergefahren und anschlie\u00dfend doch wieder auf das Ma\u00df gestellt, von dem auch Granerud abgefahren war \u2013 Luke 10. Karl Geiger schien davon ein wenig irritiert, nach seinem Flug auf 224,5 Meter erkl\u00e4rte er den Kollegen, die den Oberstdorfer im Auslauf erwartet hatten, auf dem Turm habe ein ziemliches Durcheinander geherrscht. Was Geiger da schon ahnte \u2013 sein durchaus gelungener Flug reichte nicht zum Titel. Den holten sich \u2013 wieder einmal \u2013 die Norweger. Was aber \u00fcberraschte, war der Punkteabstand, mit dem die Skandinavier aufs oberste Treppchen sprangen. Aus 11 Punkten R\u00fcckstand vor dem letzten Springer waren stolze 19 Z\u00e4hler Vorsprung geworden. Aber auch daf\u00fcr gibt es eine logische Erkl\u00e4rung und die liegt im so genannten Bonussystem. Verk\u00fcrzt ein Trainer absichtlich den Anlauf, erh\u00e4lt sein Springer f\u00fcr die geringere Anfahrt n\u00e4mlich nur dann Extra-Punkte, wenn er anschlie\u00dfend auf mindesten 95 Prozent der so genannten \u201eHillsize-Weite\u201c kommt und die betr\u00e4gt in Planica 240 Meter. Folglich h\u00e4tte Geiger 228 Meter springen m\u00fcssen, das tat er aber nicht und so machte Granerud auf den Deutschen \u2013 wegen der Verk\u00fcrzung um zwei Luken, f\u00fcr die es jeweils 8,5 Z\u00e4hler gab, allein durch diesen Faktor 17 Punkte gut. W\u00e4hrend die Norweger im Auslauf jubelten, feierte Trainer St\u00f6ckl auf seine Art: Vorn\u00fcbergebeugt, den Kopf auf die H\u00e4nde gest\u00fctzt, holte der Tiroler zwei Tage nach seinem 47. Geburtstag nur ganz tief Luft. Denn sein Pokertrick auf dem Trainerturm hatte daf\u00fcr gesorgt, dass es weiterhin bei zwei Nationen bleibt, die mit der Mannschaft Skiflug-Weltmeister werden k\u00f6nnen. Sein Heimatland \u00d6sterreich schaffte das drei Mal und eben Norwegen, das sich in Planica den f\u00fcnften Titel sicherte, den dritten in Folge.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Foto: jfkfeichter &#8211; Expapictures<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alexander St\u00f6ckl f\u00fchrt Norweger mit cleverer Taktik zum Skiflug-WM-Titel Es gibt bisher nur zwei Nationen, die sich den seit 2004 ausgeflogenen Titel des Mannschafts-Skiflug-Weltmeisters sichern konnten. \u00d6sterreichs Adler standen schon ganz oben, das eigentliche Abonnement auf den Titel haben allerdings die Norweger gepachtet. 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