{"id":1411,"date":"2020-03-20T11:23:30","date_gmt":"2020-03-20T11:23:30","guid":{"rendered":"http:\/\/wintersport.news\/?p=1411"},"modified":"2020-04-07T10:25:49","modified_gmt":"2020-04-07T10:25:49","slug":"ein-grosser-biathlet-verlaesst-die-buehne","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wintersport.news\/en\/ein-grosser-biathlet-verlaesst-die-buehne\/","title":{"rendered":"Ein gro\u00dfer Biathlet verl\u00e4sst die B\u00fchne"},"content":{"rendered":"<p><strong>Eurosport Moderator Sigi Heinrich \u00fcber Martin Fourcade:<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>H\u00e4tte man mir den Auftrag gegeben, ein Drehbuch zu schreiben f\u00fcr das letzte Rennen von Martin Fourcade, f\u00fcr seine Abschiedsvorstellung: Ich w\u00e4re meilenweit an der Realit\u00e4t vorbeigeschrammt. Ein paar r\u00fchrselige Szenen h\u00e4tte ich eingebaut, Umarmungen &#8211; Was halt so dazu geh\u00f6rt in einer solchen Situation, um einem der besten Biathleten aller Zeiten gerecht zu werden. Vielleicht w\u00e4re es auch ein wenig schnulzig geworden. Ein paar Tr\u00e4nen. Kommt ja immer gut an.<\/p>\n<p>Es war der 14. M\u00e4rz 2020, als der Franzose zum letzten Mal mit seinem Kleinkalibergewehr in die Loipe ging. Und vor genau und zwar auf den Tag genau vor zehn Jahren gewann er in Kontiolahti sein erstes von 78 Rennen. F\u00fcnfmal wurde er in der Zwischenzeit Olympiasieger, 13x Weltmeister. Er gewann siebenmal in Folge den Gesamtweltcup. Und nun, an diesem denkw\u00fcrdigen Tag, gewann er noch einmal. Sein 79. Rennen. Und er verlor zugleich. N\u00e4mlich den Kampf um den Gesamtweltcup, den er sich ein achtes Mal sichern wollte. Zwei Punkte nur trennten ihn am Ende von Johannes Thingnes Boe, dem Norweger. Auch er, wie Fourcade, ein Athlet, der mit unseren Produkten der Genauigkeit am Schie\u00dfstand zu einer neuen Dimension verhalf. Wie also sollte sich Fourcade verhalten? Sich freuen \u00fcber einen Sieg auf der einen Seite oder sich \u00e4rgern \u00fcber die knappe Niederlage? Er stellte sich der f\u00fcrwahr ungew\u00f6hnlichen Situation mit all seiner in all den Jahren gereiften Pers\u00f6nlichkeit. Er lobte Boe und pries ihn an als einen w\u00fcrdigen Nachfolger, gar als den Mann, der in Zukunft eine \u00e4hnlich dominierende Rolle spielen k\u00f6nne wie er. Und dann unterhielt er sich mit dem Russen Alexander Loginov, dem er dessen Dopingvergangenheit zu Recht immer wieder\u00a0 vorwarf. Im Zielraum von Kontiolahti blieb er stehen, als Loginov auf ihn zukam. Ich habe die Szene genau beobachtet. Lieber Martin: Mehr Gr\u00f6\u00dfe geht nicht. Es war ein Bild mit gro\u00dfem Symbolcharakter, als ihn dann seine Mannschaftskollegen in die H\u00f6he warfen. Er war jetzt angekommen. Aus dem Exzentriker, dem Einzelg\u00e4nger, dem Piraten, der niemanden neben sich dulden wollte, ist in den zw\u00f6lf Jahren seiner Weltcup-Karriere (sein erstes Rennen bestritt er 2008 in Oslo) ein Mannschaftsspieler geworden. Mehr noch. Er hat sich als Leitwolf erwiesen und eine neue Generation franz\u00f6sischer Biathleten in seinem Sog zur Weltklasse gef\u00fchrt. Mit Niederlagen hatte er sich nie angefreundet. Wie auch. Umso erstaunlicher war es, wie er, ein ums andere Mal geschlagen, seine Lehren zog aus der missratenen nacholympischen Saison 2018\/2019. Er wurde nur Zw\u00f6lfter im Gesamtklassement. Nur in seiner ersten Saison war er als Newcomer schlechter gewesen (24). Er stellte sein Leben um, fokussierte sich wieder mehr auf den Sport und kehrte als Champion zur\u00fcck. Gerade dies hat ihm ungeheuer viel Respekt eingebracht. Mehr noch als manche Siegesserie.<\/p>\n<p>Fourcade\u00a0 hinterl\u00e4sst eine L\u00fccke aber auch ein Verm\u00e4chtnis. Und so war es erneut eine unglaubliche Geschichte, dass auf dem letzen Podest seiner Karriere mit ihm in der Mitte zwei Landsleute standen: Quentin Fillon-Maillet (ebenfalls ein Kinetixx-Athlet) und Emilien Jacquelin. Johannes Thingnes Boe hatte im Zieleinlauf beide ziehen lassen, weil er wusste, dass ihm ein vierter Rang zum Gesamtweltcup reichen w\u00fcrde. Noch ein gro\u00dfe Geste an diesem Tag, die im Abschiedszauber um Martin Fourcade unterging, die aber noch einmal deutlich machte, mit viel Anstand und Fairness dieser Sport von allen Beteiligten betrieben wird. Wer so gut wird wie Fourcade darf gut und gerne als Perfektionist bezeichnet werden. Ein Beispiel: Vor den Weltmeisterschaften 2016 in Oslo mietete er sich ein Haus am Holmenkollen, um sich punktgenau auf die Wettk\u00e4mpfe dort einstellen zu k\u00f6nnen. Das Resultat waren vier Gold-und eine Silbermedaille. Und auch bei den Gespr\u00e4chen mit uns bez\u00fcglich seiner Handschuhe sp\u00fcrte man diesen Drang, auch Kleinigkeiten immer mit einzubeziehen. Er wollte ein perfektes Produkt. Es freut uns, dass wir ihm am Ende seiner langen Karriere noch behilflich sein konnten. Martin Fourcade hat, was nicht vielen gelingt, einen perfekten Schlusspunkt gefunden. Er hat den Biathlonsport zehn Jahre gepr\u00e4gt. Und auch deshalb: Merci beaucoup Martin et voyons!<\/p>\n<p>Pictures: K. Voigt Fotografie<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eurosport Moderator Sigi Heinrich \u00fcber Martin Fourcade: H\u00e4tte man mir den Auftrag gegeben, ein Drehbuch zu schreiben f\u00fcr das letzte Rennen von Martin Fourcade, f\u00fcr seine Abschiedsvorstellung: Ich w\u00e4re meilenweit an der Realit\u00e4t vorbeigeschrammt. 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