{"id":1109,"date":"2019-12-31T15:44:03","date_gmt":"2019-12-31T15:44:03","guid":{"rendered":"http:\/\/wintersport.news\/?p=1109"},"modified":"2019-12-31T15:44:38","modified_gmt":"2019-12-31T15:44:38","slug":"reine-nervensache","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wintersport.news\/en\/reine-nervensache\/","title":{"rendered":"Reine Nervensache"},"content":{"rendered":"<p>Skispringen wird oft im Kopf entschieden. Wer daf\u00fcr noch einen Beweis sehen wollte, dem sei der Auftakt zur aktuellen Vierschanzentournee empfohlen. Denn selten sah man Favoriten in einer solchen Dichte straucheln, wie in diesem Winter an der Schattenbergschanze in Oberstdorf. Beispiel Richard Freitag: Der Deutsche \u2013 vor zwei Wintern noch als Mitfavorit zur Tournee gereist \u2013 blieb schon in der Qualifikation h\u00e4ngen. Freitag war unmittelbar vor Saisonbeginn im Training noch stark gesprungen, doch w\u00e4hrend der Weltcupserie, als an Training kaum noch zu denken war, schlich sich beim Sachsen eine Absprungfehler ein. Der 28j\u00e4hrige hopst inzwischen praktisch auf einem Bein vom Schanzentisch weg, die Folge sind viel zu kurze Luftfahrten und schlechte Platzierungen. Weil Richard Freitag ein erfahrener Skispringer ist, konnte er schon vor mehr als zwei Wochen genau benennen, wo es hapert. Abstellen konnte er den Fehler allerdings nicht. Weil der Kopf nicht mitspielt, Freitag nicht frei springt und deshalb immer wieder ins gleiche Fehlermuster verf\u00e4llt. Beispiel Kamil Stoch: Der Pole reiste nicht zuletzt nach seinem Sieg in Engelberg mit dem Gef\u00fchl Richtung Heimat, dass die Form stimmt. Doch weil es in Polen eben rund um die Feiertage auch viel zu warm war, fielen die f\u00fcr den 26. Dezember geplanten Nationalen Titelk\u00e4mpfe aus. Eigentlich w\u00e4re der Weltcup-Ort Wisla als Ausrichter dran gewesen, doch die Schanze erwies sich als nicht sprungf\u00e4hig. So geriet der normale Rhythmus durcheinander, eine gewisse Unsicherheit machte sich breit und schon nach dem Tournee-Auftakt in Oberstdorf steht fest: F\u00fcr den \u00dcberflieger der Olympiasaison 2017\/18 ist es fast unm\u00f6glich, die Gesamtwertung zu gewinnen. Gleiches gilt f\u00fcr Gregor Schlierenzauer. Der \u00d6sterreicher, einst DER Vorzeigeadler im rot-wei\u00df-roten Skispringerlager, flattert seit geraumer Zeit seinen einstigen Erfolgen hinterher. Mit Ex-Bundestrainer Werner Schusterunternahm Schlierenzauer in diesem Sommer einen neuen Versuch, alte Leistungsst\u00e4rke zur\u00fcckzugewinnen und in der ersten Phase des Weltcups schien es so, als k\u00f6nne der zweifache Tourneesieger wieder ankn\u00fcpfen, an alte Zeiten. Doch die Tournee ist eben ein anderes Kaliber, als normale Weltcupspr\u00fcnge und so schaffte es Schlierenzauer in der Qualifikation gerade noch so in dasFeld der besten 50 und hatte im Duell mit Landsmann Stefan Kraft im ersten Durchgang nicht den Hauch einer Chance. Es geht aber auch anders: Ryoyu Kobayashi beispielsweise scheint keine Nervenzu kennen. Der Japaner \u2013 im Vorjahr Sieger in allen vier Wettbewerben \u2013 stand auch diesmal wieder ganz oben auf dem Treppchen. Weil er nach dem Erfolg im letzten Weltcup vor der Tournee wusste, dass die Form passt, weil bei ihm alle Abl\u00e4ufe wie immer funktionierten und weil er immer ein wenig unter dem Radar der breiten \u00f6ffentlichen Aufmerksamkeit fliegt. Was alleine daran liegt, dass Kobayashi zwar ein offener und eloquenter Typ ist, von seiner Teamleitung aber gegen\u00fcber zu heftigen Liebesbekundungen von Fans und Medien konsequent abgeschirmt wird. Diesen Weg versuchten \u2013 mit wechselndem Erfolg \u2013 auch die Deutschen zu gehen. Markus Eisenbichler, nach seinen Erfolge Ende des letzten Winters als neuer Nationalheld auserkoren, flatterte zu Saisonbeginn mehr, als dass er flog. Was die einheimischen Medien aber nicht davon abhielt, den Bayern nach zweieinhalb einigerma\u00dfen vern\u00fcnftigen Spr\u00fcngen im Weltcupverlauf trotzdem zum Mitfavoriten zu erheben. Rationale Gr\u00fcnde daf\u00fcr gab es zwar keine, das st\u00f6rte aber nur marginal. Beim Oberstdorfer Karl Geiger dagegen lag die Sache anders. Geiger reiste als Weltcup-Gesamtdritter zur Tournee, sprang stabil. Einziges Manko: Auf seiner Heimschanze in Oberstdorf hatte der Allg\u00e4uer in der Vergangenheit nur selten zu ganz weiten Fl\u00fcgen ansetzen k\u00f6nnen \u2013 die Nerven. Doch diesmal zeigte der 26j\u00e4hrige beim Heimspiel die ganze Klasse \u2013 m\u00f6glicherweise auch ein Resultat der in den letzten Wintern gewonnenen Wettkampfstabilit\u00e4t. Geiger segelte auf Platz 2 und k\u00f6nnte nun der neue Darling der Skisprung-Nation werden. Wenn der Kopf mitspielt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Foto: T. Wiedensohler\/Camera 4<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Skispringen wird oft im Kopf entschieden. Wer daf\u00fcr noch einen Beweis sehen wollte, dem sei der Auftakt zur aktuellen Vierschanzentournee empfohlen. Denn selten sah man Favoriten in einer solchen Dichte straucheln, wie in diesem Winter an der Schattenbergschanze in Oberstdorf. 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