{"id":1014,"date":"2019-12-16T08:43:45","date_gmt":"2019-12-16T08:43:45","guid":{"rendered":"http:\/\/wintersport.news\/?p=1014"},"modified":"2020-03-12T09:58:22","modified_gmt":"2020-03-12T09:58:22","slug":"1014-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wintersport.news\/en\/1014-2\/","title":{"rendered":"Kamil Stoch  und die Vogelwelt: Von Adlern, St\u00f6rchen, Truth\u00e4hnen"},"content":{"rendered":"<p>Kamil Stoch wird es verdr\u00e4ngt haben \u2013 oder er hat es gar nicht geh\u00f6rt. 2007 war\u2019s, da segelte der Pole als 19-J\u00e4hriger \u2013 damals noch im Schatten seines gro\u00dfen Landsmanns Adam Malysz \u2013 in Klingenthal durch die Luft und wurde bei der Weltcuppremiere auf der neuen Schanze im Vogtland \u00a0versehentlich als Kamil Storch angek\u00fcndigt. Der Storch \u2013 oder doch besser Stoch \u2013 biss sich zu dieser Zeit bei den Fl\u00fcgen auf den Schanzen noch oft selbst ins Bein \u2013 landete h\u00e4ufig in der Abteilung \u201eunter ferner sprangen\u2026\u201c. Aber der junge Pole galt als gro\u00dfes Talent.\u00a0 Gut Ding will eben Weile haben.<\/p>\n<p>Ein Dutzend Jahre sp\u00e4ter ist Kamil Stoch wieder in Klingenthal dabei. Erfolgreich nat\u00fcrlich, denn mit Polen holte Stoch Platz 1 im Teamspringen. Und w\u00e4hrend man seine Anwesenheit 2007 einigerma\u00dfen emotionslos zur Kenntnis nahm, geht inzwischen ein Raunen durchs Publikum, wenn der Name des Polen \u2013 der inzwischen so bekannt ist, das Brehms Tierleben oder die M\u00e4rchen von Wilhelm Hauff nicht bem\u00fcht werden m\u00fcssen \u2013 vom Schanzensprecher aufgerufen wird. Klar, z\u00e4hlt doch der inzwischen 32-j\u00e4hrige zur Creme de la Creme in seiner Sportart. Stoch gewann drei Olympische Goldmedaillen, zwei Weltmeistertitel, wurde 2x Gesamtweltcupsieger und 2x Sieger der Vierschanzentournee. Dabei brachte er in Bischofshofen 2018 das Kunstst\u00fcck fertig, alle vier Springen zu seinen Gunsten zu entscheiden. Das gelang vor ihm nur Sven Hannawald und in der vergangenen Saison dem Japaner Ryoyu\u00a0 Kobayashi. Mit den einstigen Helden Espen Bredesen, Jens Wei\u00dfflog, Matti Nyk\u00e4nen und Thomas Morgenstern teilt Stoch zudem die Besonderheit, alle vier Gro\u00df-Titel in seiner Sportart errungen zu haben. 33 Einzel-Weltcupsiege konnte er einsammeln \u2013 daheim ist er inzwischen ein Nationalheld und der bekennende Katholik denkt noch nicht ans Aufh\u00f6ren. \u00a0An Weihnachten dagegen schon. Denn Stoch ist nicht nur Skispringer und Werbe-Ikone, sondern auch Ehemann. Dabei wird Polens zweifacher Sportler des Jahres (2014\/2017) \u00fcbrigens \u2013 wie praktisch \u2013 von Ehefrau Ewa Bilan, mit der er seit 2010 verheiratet ist, gemanagt. Und\u00a0 oft genug zieht es ihn ins Elternhaus in Zakopane, dort, wo er einst von seinem Onkel die ersten Skier geschenkt bekam, die ersten Sprungski mit ins Bett nahm und das Dach des Wohnhauses der Familie als Schanze \u201emissbrauchte\u201c, wie Vater Bronislaw polnischen Medien erz\u00e4hlte. 128 Meter schaffte Stoch als Elfj\u00e4hriger, sp\u00e4testens da war f\u00fcr den kleinen Kamil klar, dass es hineingehen soll, in die Weltspitze. Was \u00fcberzeugend gelang.<\/p>\n<p>Aber es gibt eben noch Zeiten au\u00dferhalb des Springens, gerade an den Feiertagen versucht auch Stoch den Spagat zwischen Entspannung daheim und der Konzentration auf den Jahresh\u00f6hepunkt, die Vierschanzentournee. Das hat schon mehrfach gut geklappt, was m\u00f6glicherweise auch am guten Essen daheim liegt. Bei Stochs gibt es Heiligabend traditionell fleischlose Kost, Piroggen, eine Suppe, die die Gattin zaubert, und Fisch. Am ersten Feiertag wird bei Stochs dann auch kein Storch gebraten, vielmehr kommt ein Truthahn auf den Tisch. Alles in Ma\u00dfen nat\u00fcrlich, schlie\u00dflich will Kamil nicht mit \u201eSchwimmring\u201c bei der Tournee starten und wie ein Storch durch die Luft flattern. Au\u00dferdem stehen am zweiten Weihnachtsfeiertag auch noch die polnischen Meisterschaften auf dem Programm, die werden immer im Wechsel in Zakopane oder Wisla ausgetragen und anno 2019 ist Wisla dran \u2013 lang sind die Weihnachtsfeiertage im Hause Stoch also nicht. Bei den polnischen Meisterschaften und bei der Tournee will Kamil Stoch dann wieder wie ein Adler segeln. Weil er das Fliegen liebt. Und ihm treu bleiben will auch nach der Karriere. Allerdings nicht mehr im Sport, als Trainer etwa, sondern als Pilot.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kamil Stoch wird es verdr\u00e4ngt haben \u2013 oder er hat es gar nicht geh\u00f6rt. 2007 war\u2019s, da segelte der Pole als 19-J\u00e4hriger \u2013 damals noch im Schatten seines gro\u00dfen Landsmanns Adam Malysz \u2013 in Klingenthal durch die Luft und wurde bei der Weltcuppremiere auf der neuen Schanze im Vogtland \u00a0versehentlich als Kamil Storch angek\u00fcndigt. 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